Überbrückung der „lustlos Momente“ beim Schrankbau

Die Schubladen für meinen Schrank sind eine echte handwerkliche Herausforderung. Jedenfalls noch für mich. So klein wie sie sind, so tückisch sind sie auch. So ist es nicht verwunderlich, dass hin und wieder die absoluten „lustlos Momente“ kommen. Fällig ist dann eine Projektpause in der ich meinem Hirn frei gebe. Bei meinem letzten „lustlos Moment“ sind diese Werkzeughefte entstanden. Die Blogger-Gemeinde stellt da ja ganz tolle Vorlagen im Netz zur Verfügung.

Und hier die Entstehungsgeschichte (in Bildern):

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Mit offenen Augen…..

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…. bin ich seit Februar dieses Jahres an zwei Holzscheite mehrmals täglich vorbeigelaufen. Sie lagen im Eingangsbereich unseres Hauses auf einem Brennholzstapel. Eigentlich ist das für zwei Holzscheite nichts ungewöhnliches. Die Zeichnung an den Schnittkanten, war mir aber schon länger aufgefallen. Deshalb habe ich die zwei Scheite am Freitag überredet mit in meine Werkstatt zu kommen um ein paar Schönheitskorrekturen an ihnen durchführen zu lassen.

Nach dem ersten Schnitt an der Kreissäge, war mir sofort klar, das ist was für die Drechselbank – gestockte Buche! Es folgten dann ein paar Glücksmomente!

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Wandschrank aus Birne im Krenov Stil #4 „Feintuning am Korpus“

Eigentlich muss man keinen Blogbeitrag darüber schreiben – hab ich mir gedacht. Aber auf der anderen Seite würde bei der Baubeschreibung etwas fehlen. Und eventuell gibt es ja im „WWW der Holzwerker“ den einen oder anderen, für den diese Tätigkeiten nicht zur Selbstverständlichkeit gehören und den es deshalb interessieren könnte. Die anderen Holzwerker müssen ja jetzt nicht weiterlesen.

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Damit der Deckel und Boden mit den Seitenteilen und der Türe harmonieren, war noch ein wenig Feintuning notwendig.

Zunächst habe ich die endgültige Größe des Bodens und des Deckels festgelegt. Die Wölbung der Türe, die ja unregelmäßig verläuft, habe ich deshalb mit einem entsprechenden Abstandshölzchen angezeichnet und an der Bandsäge ausgeschnitten. Danach wurden die Kanten von Deckel und Boden mit dem Schweif- und Handhobel bearbeitet. Mir war dabei wichtig, dass die Vorder- und Seitenkanten von Boden und Deckel nicht im rechten Winkel bleiben, sondern leicht zum Schrank hin beim Boden auf und beim Deckel absteigen. Dies so zu tun, ist natürlich kein „Muss“! Ich glaube aber, es passt zum Schrank und wertet die Optik noch ein Stück mehr auf.

Dann musste natürlich noch der  Falz für die Rückwand eingefräst werden.

Ich gestehe, dass ich richtig froh bin, mir für diese Arbeiten einen Frästisch gebaut zu haben. Freihändig, nur mit Seitenführung, würde ich diese Übung sehr ungern ausführen wollen. Mit Frästisch ist das ein Kinderspiel und arbeitet man auch hier wieder mit Stoppklötzchen, wird das Ergebnis super genau. Man muss am Schluss lediglich in den Ecken mit dem Beitel noch leicht nacharbeiten.

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Wandschrank aus Birne im Krenov Stil #3 „Die Zwischenbretter“

Ja es ist ein Abenteuer, auf das ich mich da eingelassen habe. Nachdem die Rückwand  jetzt fertig war, konnte ich die zwei Zwischenböden für das Schubladenfach einpassen. Neu für mich war das Verfahren, wie die Zwischenbretter mit den Seitenwänden verbunden werden. Mit einer „fremden Feder“, hatte ich das bisher noch nie versucht. Die größte Herausforderung dabei ist… den inneren Schweinehund zu überwinden und in die beiden Seitenwände eine Nut zu fräsen.
Geht man dabei nicht absolut präzise vor, kann man den Schrank wieder neu beginnen. Dieses Gefühl „wenn Du es jetzt versaust, dann gehe wieder zurück auf Start“ tritt immer häufiger und heftiger in Erscheinung, je länger du an so einem Projekt arbeitest, bei dem alle Bretter aus einer Bohle geschnitten und aufeinander abgestimmt sind. Da kann man nicht lange aus den Vollen schöpfen und ein Teil beliebig austauschen – man hat nämlich passendes Holz nur sehr begrenzt zur Verfügung. Zwei neue Seitenteile wären auf jeden Fall der Show-Stopper. Ich habe bisher noch bei keinem Projekt so häufig erst an einem Probestück getestet, bevor ich mich an das Original gewagt habe. Das Gute daran – die Materialknappheit diszipliniert.

Aber zunächst benötigt man mal die Zwischenböden. Das Holz dafür stammt aus einem übrigen Boden und Deckel. Ich berichtete bereits. Als Boden und Deckel nicht groß genug – als Zwischenboden ideal.
Die Wölbung meiner Schranktüre ist schon deutlich. Deshalb habe ich mich entschlossen, dass ich die Zwischenböden im Abstand zur Schranktüre auch mit der gleichen „Wölbung“ versehen werden. Das bedeutet, sie stehen nach vorne über die Seitenwände hinaus. Optisch für mich ein Leckerbissen, der jedoch die Konsequenz nach sich zieht, dass ich später die Schubladenfront auch mit dieser Rundung versehen muss. Na das Leben ist kein Ponyhof und das mit dem Abenteuer, hatte ich einleitend schon erwähnt!

Die Form der Türe habe ich auf ein Blatt übertragen, dieses mit Sprühkleber auf eine Plexiglasscheibe geklebt und danach ausgeschnitten. Wenn man die Schutzfolie auf dem Plexiglas nicht entfernt, kann man das Papier samt der Schutzfolie nach dem Ausschneiden ganz leicht abziehen. Mit der freien Sicht durch die Schablone, lässt sich der finale Schnitt auf dem Originalbrett bestens platzieren.

Nach dem Aussägen und dem Glätten der Kanten, muss in die Stirnseiten der Zwischenbretter eine 6 mm breite Nut, die nicht durchgehend sein darf, gefräst werden. Gleichmäßigkeit bei der Nutlänge erzielt man durch das Anbringen von Stoppklötzchen an der Tischfräse.

Die „fremde Feder“ ist aus Ahorn 6 mm und die Streifen wurden quer zur Faser (höhere Bruchsicherheit) geschnitten. Die Feder wird dann in die Nut der Zwischenbretter eingeleimt. In die Seitenwände (genau gegenüberliegend!!!) wird ebenfalls die 6 mm Nut gefräst. Auch diese Nut geht nicht über die komplette Breite der Seitenwand. Die Zwischenbretter werden später von hinten in den Schrank eingeschoben.

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Wandschrank aus Birne im Krenov Stil #2 „Die Rückwand“

Früher (also vor vielen, vielen Jahren), war doch alles viel einfacher!
Orientierte ich mich an den großen Vorbildern die Mitnehmmöbel produzierten (damals waren sie das noch) und habe aus einer Schrankrückwand kein „Gesellenstück“ gemacht. Warum auch? Ist doch nur eine Schrankrückwand. Die Herstellung dieser Rückwände, war nicht nur einfach gehalten, sondern es war gleichzeitig auch eine Art Entsorgungsprozess. Fand auf diesen Weg so manches alte Brett noch seine möbeltechnische Bestimmung und der Weg in die thermische Verwertung blieb ihm erspart. Ob die Bretter für die Rückwand optisch zusammengepasst haben, war eher Nebensache. Trotzdem konnten diese Rückwände mit denen meiner damaligen Vorbilder mithalten bzw. haben die bedruckten Faserplatten meist sogar optisch übertroffen.
Man möchte annehmen, dass man an bewährten Vorgehensweisen in der Regel festhält?! Aber nein, das Gegenteil ist der Fall. Das was früher gut funktioniert hat, stelle ich heute andauernd in Frage und zum Teil schäme ich mich für das, was ich noch vor einigen Jahren für den Königsweg bei der Umsetzung gehalten habe… und die Vorbilder haben ich übrigens komplett ausgetauscht!
Aber wie so oft in meinem Beiträgen, schweife ich wieder etwas vom Thema ab – nun zurück zur Schrankrückwand, die ich gerade gebaut habe. Bei der ist es so, dass ich die verwendetet Bretter früher ganz bestimmt der thermischen Verwertung zugeführt hätte, … aber das nur so am Rande bemerkt.

20150810 026Der kleine Hängeschrank, soll eine klassische Holzrückwand in Rahmenbauweise erhalten. Seit Jahrhunderten hat man so Möbel gebaut – bis die mit Folie überzogene Pappe in die Schreinerwerkstätten Einzug gehalten hat.

Die Bretter für die Füllungen, hatte ich mir schon bei Charles für diesen Zweck auf die Seite gelegt. Sie hatten einen eingewachsenen Ast und morsches Material durchzog die komplette Brettstärke. Charles meinte sie zu verwenden, wäre ein kühnes Vorhaben, weil sie vermutlich spätestens von der Hobelmaschine gefressen werden, sollten sie das Auftrennen an der Bandsäge überleben. Aber einen Versuch ist es auf jeden Fall wert. Sehr behutsam bin ich bei diesen beiden Arbeitsschritten vorgegangen. Sie haben es überlebt und die beiden 6mm starken Brettchen für eine Füllung konnten miteinander verleimt werden.

Für den Rahmen habe ich übrige Bretter verwendet, die auch bei den Seitenteilen zum Einsatz gekommen waren. Die wurden auf eine Breite von 50 mm geschnitten und auf die Stärke von 13 mm gehobelt. Sorgfältig wurden die geeigneten Teile ausgewählt und entsprechend der Maserung zusammengestellt.

 An die Rahmenaufteilung habe ich folgende 4 Anforderung gestellt:

  1. Im Schrank soll eine Schublade integriert werden. Höhe der Schublade mit Bodenbrett und Deckelbrett ca. 12 cm
  2. Das schöne Holzbild der Füllung soll möglichst gut zur Geltung kommen
  3. Der Rahmen soll eine Querstrebe erhalten, die oberhalb und unterhalb der Schublade gleichmäßig zu sehen ist
  4. Es soll oberhalb und unterhalb der Schublade eine vernünftige „Nutzhöhe“ entstehen

Behält man nun alle 4 Anforderungen im Auge, ergeben sich von ganz alleine…die Höhe und die Platzierung der Querstrebe im Rahmen. Der entscheidende Ausgangspunkt – die außergewöhnliche Holzstruktur im oberen Bereich der Füllung – bestimmt im Wesentlichen die Platzierung der Schublade. „It’s a finger tip!

Die Rahmenteile habe ich an der Kreissäge für eine Schlitz-/Zapfenverbindung vorbereitet (wie steht hier) und anschließend eine 6mm starke Nut eingefräst. Die Querstrebe wird mit 5mm starken Holzdübeln in Position gehalten. Um ein eventuelles Schüsseln der Querstrebe zu verhindern, wurden je 3 Holzdübel auf die gesamte Breite der Strebe verteilt. Nur der mittlere Dübel hat einen Leimtropfen erhalten damit die relativ breite Querstrebe im Langholz geringfügig arbeiten könnte.

20150803 020 Noch bevor der Rahmen verleimt wurde, habe ich die Füllungen mit Schellack (Astra) behandelt. (3 x dünn mit dem Lappen aufgetragen, dazwischen über Nacht trocknen lassen)

Danach konnte der Rahmen verleimt werden. Für die Rahmenbauweise hat uns Charles in seinem Kurs noch einen hilfreichen Tipp mitgegeben. Man sollte die Rahmenbreite immer ca. 2 mm größer lassen, als die Schlitzverbindung tief ist.
Was erreicht man dadurch: Die Zwingen können beim Zusammenpressen des Rahmens auf den Zapfen den vollen Druck ausüben. Man erhält eine lückenlose Schlitz-/ Zapfenverbindung.
Ich hoffe das war einigermaßen verständlich. Auf dem nachfolgenden Bild, aufgenommen noch bei Charles in der Werkstatt, ist das gut zu erkennen. Der Rahmen lässt sich optimal mit den Zwingen spannen.

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Wandschrank aus Birne im Krenov Stil #1 „Die Türe“

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Bereits im Herbst 2014 hatte ich begonnen, die Schreinerwoche bei Charles zu organisieren. Thema meiner Vorbereitung war: was will ich bauen, wie groß soll es sein und aus welchem Holz. Die Frage nach dem Was, war relativ schnell beantwortet… Ein kleiner Wandschrank im Stil von James Krenov mit gewölbter Türe. Wie man gewölbte Türen baut, hatte ich bereits im Kurs 2014 gelernt. Das hat Lust auf Mehr gemacht. Als grobes Maß wurde eine Höhe von 70 cm, eine Breite von maximal 35 cm und eine Tiefe von 20 cm definiert. Die Frage nach dem Holz habe ich bis zum Kursbegin im Mai 2015 offen gelassen. Wichtig war mir nur, den ganzen Schrank aus einer einzigen Bohle zu fertigen. Holz, wie es gewachsen war, wieder in einem Möbelstück zu vereinigen – eine faszinierende Idee.
Mich auf Birne festzulegen, war bei der Holzauswahl in der Werkstatt von Charles nicht einfach (Qual der Wahl). Damit, dem Aufteilen der Bohle und dem groben Zuschnitt beschäftigte ich mich am ersten Tag. Danach ging der eigentliche Bau erst los.

Herstellung der gewölbten Türe

In der Woche bei Charles, habe ich nur die Türe komplett verleimen können.
Einen Schrank nach Krenov mit gewölbter Türe zu bauen, bedeutet sich bereits zu Beginn mit dem restlichen Möbelstück auseinander setzen zu müssen. Welchen Teil der Bohle nehme ich für die Türe, welchen für die Seitenteile und welchen für Boden, Deckel und Füllung der Rückwand. Die Maserung und die wunderbaren Fehler im Holz, beeinflussen deutlich die Maße der einzelnen Teile. Krenov schreibt selbst über diesen Prozess…
„Es beginnt eine Art Komposition zusammen mit dem Holz“.
Lässt man sich auf dieses Abenteuer ein, ist ein genauer Bauplan überflüssig. Ein andauernder Richtungswechsel, während der gesamten Bauphase, ist vorprogrammiert.

20150524 005Auf dem Bild zu sehen, mein Ausgangsmaterial für die Schranktüre. Die Bretter, wie ich sie aus der Bohle geschnitten hatte. Sie sollen auch wieder genau so vereint werden. Nur so erreicht man ein passendes Maserbild. Die notwendigen Entscheidungen an dieser Stelle: Was ist die Vorder- und Rückseite meiner Türe und wo trennt man die Bretter auf, um sie später im notwendigen Winkel zu verleimen. Ich habe mich an dieser Stelle sogar dazu entschieden, zwei Bretter wieder „gerade“ zu verleimen damit man sie später günstiger, an anderer Stelle, wieder auftrennen kann. Hätte ich das nicht gemacht, wäre ein schöner Holzfehler direkt auf eine Kante gefallen und dieses Detail wäre verloren gegangen.

Jede einzelne Kante wurde mit dem notwendigen Winkel versehen. Danach wurden die Bretter paarweise verleimt. Bevor man das verleimte Bretterpaar mit dem nächsten Bretterpaar verleimt, wird es bereits innen ausgehobelt. Das geht viel leichter, als wenn man am Schluss die ganze Türe komplett aushobeln muss. Auf diese Weise baut man sukzessive die ganze Türe auf.

Irgendwann kommt dann der Zeitpunkt, an dem die Türe eine gewisse Breite erreicht hat. Es wird schwierig, die Türe zum Fügen in die Vorderzange zu spannen. Charles ist mit seiner Werkstatt zur Untermiete in einer Zimmerei. Dämmstoffe sind da genügend vorhanden und aus einem Abfallstück auch schnell eine runde Einspannhilfe geschnitten.

Sehr spannend ist dann der Moment, wenn du die beiden Türhälften miteinander verleimen musst. Es ist wirklich ratsam das vorher mit allen benötigten Schraubzwingen „trocken“ zu üben. Ich verspreche es euch, wenn dann die Kanten mit Leim eingestrichen sind und der Punkt „of no return“ gekommen ist, wird es euch trotz vorherigem Probelauf noch die Schweißperlen auf die Stirn treiben. Bei dieser Arbeit ist man auch auf Hilfe angewiesen. Zwei Hände müssen die Türhälften in Position halten, während die anderen zwei Hände damit beschäftigt sind, die Schraubzwingen und Türspanner gefühlvoll anzuziehen. Bei dieser Aktion habe ich dann kein Bild gemacht – irgendwie ging das in der ganzen Hektik unter.

Die nachfolgenden 4 Bilder stammen von meinem Kurs, den ich 2014 gemacht habe und sollen das Verleimen (und die notwendigen Hilfskonstruktionen) von gewölbten Möbelbauteilen zeigen:

Nach einer Woche Charles bin ich dann mit einer fertig verleimten Türe und vielen Einzelteilen für den restlichen Schrank wieder in meine Werkstatt umgezogen.

Nun erfolgte das finale Hobeln der Türe. Mit einer Unterfütterung der hohl-liegenden Teile, funktioniert das ganz gut.

Die Türkanten

Sind die Flächen gemacht, folgen die Kanten der Türe. Es ist sehr hilfreich, wenn man sich mit einem original Reststück der Türe zunächst ein kleines Modell anfertigt. An dem Stück kann man testen, wie die Türe in die Seitenteile greifen soll. Ich habe mich dafür entschieden, an den Seitenteilen eine Hohlkehle auszunehmen und die Türkanten so zu runden, dass sie in die Hohlkehle greifen. Hier am Modell gut zu sehen.

Die Rundungen habe ich komplett mit der Hand ausgearbeitet. An der Türkante geht das sehr gut mit dem Einhandhobel. Die Hohlkehlen in den Seitenteilen sind vorsichtig mit einem kleinen Bildhauer-Eisen eingearbeitet. Die Kanten wurden dann auch mit dem Hobel gerundet. Wenn man sich Referenz- bzw. Hilfslinien mit dem Bleistift anbringt, geht das Ausformen dieser Rundungen frei Hand sehr gut. Warum nicht fräsen?, wird sich mancher fragen. Seht euch einfach das Ergebnis an. Die handgearbeitete Kante lebt und besticht durch ihren Charme.

Die Türe greift perfekt in die Seitenteile, wie man auf den nachfolgenden beiden Bildern gut sehen kann.

 

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Blog Freiheit

Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern dass er nicht tun muss, was er nicht will!

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Das hat Jean Jacques Rousseau, ein Genfer Philosoph, irgendwann im 18. Jahrhundert von sich gegeben. Und ein anderer hat das gehört, mitgeschrieben und es kostenfrei ins Internet gestellt.
Dann habe ich heute auch – wieder kostenfrei – im Internet gelesen, dass das menschliche Gehirn im Laufe eines Tages etwa die Energiemenge, die in 2 großen Bananen steckt benötigt, damit es gut funktioniert. Somit machte ich mich sofort auf den Weg in die Küche und habe das Energiedefizit ausgeglichen. Danach hab ich mich hingesetzt und über das nachgedacht, was der liebe Jean Jacques gesagt hat… über das, was ich nicht will. Dank der verzehrten 2 Bananen ist mir da was eingefallen:

  • Ich will in meinem Blog über das schreiben, was ich will und nicht über das, was andere wollen. Somit sind freundliche Anfragen bezüglich einer kooperativen Zusammenarbeit, zwecklos.
  • Auch werde ich keinen lobpreisenden Erwähnungen auf kommerziellen Werbe-Blogs zustimmen. Die Welt ist schon voll genug mit Peinlichkeiten. Ich möchte ihr eine Weitere ersparen.
  • Ich will auch nicht, dass Leser meines Blogs mit Werbeeinblendungen belästigt werden. Mir macht das Blogschreiben Spaß. Das Lesen meines Blogs soll auch Spaß machen! Deshalb investiere ich nun jährlich in das Premium-Update, um WordPress daran zu hindern, auf meiner Seite Werbung einzublenden.
    Meine Blog-Freiheit ist mir das wert!

Ja, es hilft wirklich, wenn man erst mal 2 Bananen isst.

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3 Deckel & 3 Böden braucht ein Schrank

Nun ja, nicht jeder…. aber meiner!

Was man hier auf dem nachfolgenden Bild betrachten kann, ist mein 3. Versuch einen Deckel und einen Boden für mein Wandschränkchen herzustellen. Nicht dass Deckel Nr. 1 und Boden Nr. 1 bzw. Deckel Nr. 2 und Boden Nr. 2 nicht gepasst hätten. Sie haben gepasst! Das Problem war: Sie haben mich nicht überzeugen können, dass sie der ideale Deckel und schönste Boden für mein Schrank wären. Und dann habe ich halt weiter Deckel und Boden gebaut und bin dann bei Nr. 3 hängen geblieben.

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Deckel und Boden Nr. 1 (folgendes Bild) waren schon nahe dran, das Rennen zu machen. Ihr Problem war ein sehr geringer Überstand vor der Türe. Das hat nicht mit dem Gesamtbild harmoniert.

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Deckel und Boden Nr. 2 (folgendes Bild), waren einfach zu brav. Mein Auge hat nichts gefunden, wo es hätte länger verweilen wollen.

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Und dann kam die Nr. 3 und hat alle Preise abgeräumt, die ich zu vergeben hatte.
Zu meinen Töchtern sag ich immer: „Man muss viele Frösche küssen, bis ein Prinz dabei ist.“ Ich glaube, beim Holzwerken ist das auch so!

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„It is a finger-tip adventure“

„A finger-tip adventure“ ….  über diesen Ausdruck bin ich das erste Mal in diesem Jahr im Urlaub gestolpert. Krenov hat ihn in einem seiner Bücher verwendet, um zu beschreiben wie er beim Bau seiner Schränke vorgegangen ist. Er hat sich nicht durch „Pläne“ leiten lassen, sondern ist mit einer Idee und einer Skizze gestartet und der Rest ist durch Ausprobieren und dem Holz „bestimmt“ worden. So hat er seine Möbel nicht einfach nur gebaut – er hat sie komponiert. Selbst beschreibt er das etwas ironisch: „Meine Stücke sind zusammengestückelt. All die kleinen Details und die Art und Weise wie ich sie aneinander füge, ist eigentlich nicht vorhersehbar.“

20150707_103149~2Dass Krenov diesen Prozess mit „A finger-tip adventure“ tituliert hat,  offenbart deutlich mit welcher Sensibilität er dieses Handwerk ausgeübt hat. Starre Grenzen, die durch einen fixen Plan auferlegt sind, werden außer Kraft gesetzt. Die visuelle und haptische Wahrnehmung des Materials bestimmen die nächsten Schritte. Wird Handwerk in diesem Vertrauen auf die eigenen Sinne angereichert und umgesetzt, bewegen wir uns in der Kunst.

Sehr treffend in diesem Kontext fand ich dann auch das Bild (oben), welches in unserem Ferienhaus hing. (Nein, wir hatten nicht die Sixtinischen Kapelle gemietet!)
Es passte einfach so gut zu dem Begriff „A finger-tip adventure“.
„Die Erschaffung Adams“ gehört sicherlich zu den bekanntesten Werken die Michelangelo Buanarroti seiner Nachwelt hinterlassen hat. Der Bildausschnitt aus dem berühmten Deckengemälde stellt dar, wie Gottvater kraftvoll und anmutig seinen rechten Zeigefinger ausstreckt um auf Adam seinen Lebensfunken überspringen zu lassen.

Seinen „Lebensfunken“ überspringen lassen? Wenn einem das mit seinen Händen gelingt… so, wie es Buanarroti in seinen Werken gelungen ist oder es Krenov mit seinen Möbeln geschafft hat…. dann werden die Werke beseelt und etwas ganz besonderes entsteht. Man sieht den Objekten an, welches Können, welche Leidenschaft und welche Freude daran gearbeitet haben. Und das Tolle daran ist: Alle 3 Faktoren (Können, Leidenschaft und Freude) haben wir selbst in unserer eigenen Hand.

Ich wünsche Euch ein kreatives Wochenende!

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Der „handgeschriebene“ Löffel

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Nach einer 800 km langen Autofahrt, kam ich gestern Abend aus dem Urlaub zurück. Irgendwann hab ich mich dann auch an den Stapel mit der Post gemacht, der sich in drei Wochen aufgetürmt hatte. Darin befand sich ein wattierter Umschlag mit einem Holzlöffel und einer Nachricht von Frederik.

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Die Nachricht habe ich nicht auf Anhieb verstanden – warum schickt mir Frederik eines seiner kleinen Kunstwerke? Erst als ich gelesen hatte, was auf dem Löffel geschrieben stand, war mir die Sache klar. Ich freute mich wie ein kleines Kind!

Die Vorgeschichte: Im März 2015 hat Frederik einen Beitrag in seinen Blog eingestellt. Mein Kommentar hat ihm offensichtlich keine Ruhe gelassen und zu dieser „Löffelausgabe“ inspiriert.

Und nun bin ich der stolze Besitzer von diesem Löffelunikat. Er trägt die Handschrift von Frederik und erzählt mir beim Betrachten eine wunderbare Geschichte.
Danke Frederik!

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Ausgewachsen…

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… war unser Hunger, als wir nach einem Ausflug in Trequanda angekommen waren. Diesen Missstand galt es zu beseitigen. Unser kundiger Führer mit dem Namen „Osterie d‘ Italia“ der vergangenen Tage, schlug das Il Conte Matto vor. Es war auch dieses Mal wieder eine weise Entscheidung ihm zu vertrauen.

IMG-20150717-WA0001Trequanda ist ein kleiner Ort, wie aus dem Bilderbuch, in Herzen der Toskana. Von hier oben hat man einen herrlichen Panoramablick über die Crete Senesi. Auch wenn wesentliche Sinne von mir, durch das hervorragende Essen und den, dem Essen angemessenen Wein, schon sehr strapaziert wurden, ist es mir nach dem Verlassen des Lokales noch gelungen eine außergewöhnliche Beobachtung zu machen, die ich unter der Rubrik „Holzkuriositäten“ ablegen werde.

Ausgewachsen war der Baum, der die Stadtmauer ziert. Gewachsen ist er aus der Mauer und hat sich offensichtlich mit dem ungewöhnlichen Standort bestens arangiert.

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„Also wenn Du es mir unbedingt aufdrängen willst… dann nehme ich es!“

Im Februar habe ich einen Beitrag geschrieben, in dem es um das Holz und micht geht. Und darum, dass wir uns beide sehr anziehend finden.
Wer nun der Meinung ist, dass das mit dem Kirschbaum nur ein dummer Zufall war und damit Recht behalten will, der sollte jetzt diesen Beitrag nicht weiterlesen. (Ist ja nicht so schlimm…. ich schreib ja öfters mal einen Blogbeitrag!)

In unserem Ort haben wir eine Zimmerei. Der Besitzer hat auch schon für uns gearbeitet und wir kennen uns gut. Vor zwei Wochen ruft er mich an, ich soll mal vorbei kommen, er hätte was für mich. Fünf Minuten später stand ich bei ihm in der Werkstatt.

„Hier habe ich einen Stapel mit Brettern, den ich schon 5 x von der einen Ecke in die andere geräumt habe. Das Holz lagert hier schon seit 6 Jahren und ich habe dafür keine Verwendung. Such dir raus was du haben willst, da ich es sonst thermisch verwerte.“

Dann hab ich halt meinen Anhänger geholt und das Holz ist umgezogen. Aus seiner Werkstatt in mein Holzlager. Überwiegend Erle, ein wenig Esche und Eiche. Alle Bretter 32 mm stark. Ich freue mich, wenn ich anderen Menschen einen Gefallen tun kann!

Auf meiner Werkstatttreppe wird es langsam eng. Richtig doof ist, dass ich jemand kennen gelernt habe, der luftgetrocknete Birne übrig hat. Und Birne hab ich gar nicht. Ich arbeite daran, dass ich auch diesem Menschen helfen kann.

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Bügelzapfeneckverbindung – 13 mm stark – geht denn das?

Ja mit meinem kleinen Schränkchen aus Birne, bin ich recht langsam bewusst unterwegs.  Heute habe ich mit der Rückwand begonnen. Nicht weil ich schon fast fertig wäre und man am Schluss noch schnell eine Rückwand im Schrank platziert, sondern weil von der Rückwand die Aufteilung meines Innenraumes abhängig ist. Soweit hab ich es schon gebracht – ich baue meine Möbel nach der Rückwand?! Aber das erkläre ich ein anderes Mal.

Noch vor wenigen Wochen hätte ich mich da nicht ran getraut. Einen Holzrahmen anzufertigen und mit einem Bügelzapfen über Eck zu verbinden, der aus 12 bis 13 mm starken Brettchen gefertigt wird .
Das Problem dabei: Bei einer Brettstärke von 12 oder 13 mm, geht es da schon recht eng zu. Man muss einen exakten Zapfen Schneiden, der eine Stärke von ca. 5 mm hat und beim Gegenstück muss mittig eine Nut geschnitten werden, die diese 5 mm aufweist. Das kann man eigentlich gefahrlos mit einer Kreissäge machen, wenn man sich eine einfache Hilfskonstruktion baut. Gesehen hab ich dieses Verfahren zum ersten Mal bei Charles. Mit einem abgerichteten Holzriegel mit Abstandhalter am Parallelanschlag befestigt, ist man da schon ganz gut unterwegs.

Das Prinzip ist eigentlich ganz einfach: Man spannt an den Parallelanschlag einen 2. Anschlag aus Holz, damit das Werkstück zwischen den beiden Anschlägen spielfrei geschoben werden kann. Als Abstandhalter nimmt man ein Brett in der gleichen Stärke wie das zu bearbeitende Brett. Zusätzlich klemmt man noch ein Blatt Papier dazwischen. Somit ist der Zwischenraum um diese Papierstärke größer und das zu sägende Brett lässt sich schieben. Wichtig dabei ist nur, dass das Brett noch am Sägetisch aufsteht, da es sonst zwischen dem Sägeblatt nach unten gezogen werden kann.
Ich habe heute versucht auf diese Weise meinen Rahmen anzufertigen. Problem dabei war nur, bei meiner Kreissäge ist der Spalt neben dem Kreissägeblatt etwas größer als bei der Maschine von Charles. Somit würde ein 12 mm breites Brett, wenn ich es hochkant schneide, neben dem Sägeblatt, wie auf dem Bild unten dargestellt, nach unten tauchen.

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Deshalb habe mir eine Methode überlegt, wie das verhindert und das Werkstück gefahrlos durch das Sägeblatt geschoben werden kann.

Das Prinzip ist das gleiche, wie Charles es anwendet. Nur habe ich meinen 2. Parallelanschlag exakt gleich hoch gebaut, wie mein Originalanschlag ist. Ich setze das Brett vor dem Sägeblatt ein, so dass es auf dem Sägetisch unten noch aufsteht. Dann spanne ich mit einer Schraubzwinge ein Führungsbrett an mein Werkstück, das auf dem Parallelanschlag aufliegt. So kann das Brett nicht nach unten rutschen. Wenn ich eine Seite (beim Zapfensägen) gesägt habe, drehe ich das Brett um 180° und lasse es dann auf meinem Holzanschlag aufliegen. Auch jetzt kann es nicht nach unten gezogen werden. Das Schöne an dieser Methode ist, dass mein Werkstück auch nicht nach vorne und hinten kippen kann und ich es immer im 90° Winkel zu meinem Sägeblatt führen muss. Bei dieser Methode kann ich mit den Händen auch nicht in die Nähe des Sägeblattes kommen. Das Ergebnis ist eine exakt sitzende Bügelzapfenverbindung, die sicher auf der Kreissäge angefertigt wurde.

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…, wenn man 2 Tage lang ein Hilfsmittel baut, das man nur 1 x pro Jahr braucht

Die 3 Bilder unten zeigen den Frästisch von Charles.
Noch einfacher geht es eigentlich nicht – Minimalismus pur!

Wegen der langen Auflagenfläche, lassen sich Werkstücke am Anschlag führen, ohne dass sie nach hinten oder nach vorne kippen. Ein weiterer Vorteil: Es lassen sich „Stopp-Klötzchen“ am Tisch mit Schraubzwingen anbringen. Somit stellt man sicher, dass jede Nut (z.B. bei einem Rahmen) gleich lang gefräst wird. Wenn die Platte für einen Frästisch groß genug gewählt wird, kann man den Frästisch ganz einfach auf Holzböcken fixieren und erreicht damit ein Maximum an Stabilität. Benötigt man den Frästisch nicht – also wie ich an 364 Tagen – stellt man ihn hinter die Werkstatt-Türe.

Für diesen einen Tag im Jahr, hab ich mir jetzt einen Frästisch gebaut. Der Tisch von Charles war meine Vorlage. Ich schreib es gleich dazu… ganz so minimalistisch wie Charles, hab ich ihn nicht hinbekommen.

Meine Zutatenliste:
1 x Siebdruckplatte 200 cm x 60 cm (21mm stark) für den Tisch,
1 x Siebdruckplatte 200 cm x 20 cm (21 mm stark) für den Anschlag
1 x Abflussrohr 4 cm Durchmesser für den Absauganschluss
1 x Sicherheitsschalter für Frästische
1 x Befestigungsplatte aus Aluminium für die Oberfräse
1 x Aluminium Profilschiene 17mm x 10mm x 1200mm
2 x Schlüsselschrauben 8 mm x 40 mm
2 x Sterngriffmuttern

Zunächst wurde auf der Befestigungsplatte angezeichnet, wo die Bohrungen für meine Oberfräse hin müssen. Nachdem die Bohrungen erledigt waren, habe ich die Öffnung in die Siebdruckplatte geschnitten. Mit der Stichsäge grob vorgeschnitten und anschließend mit dem Kantenfräser schön gemacht. Für die Aufnahme der Befestigungsplatte wurde dann noch ein 6 mm tiefer und 15 mm breiter Falz gefräst. Der Länge nach wurde noch ein abgerichteter Eichenriegel unter die Platte geschraubt, dass sich auch nichts durchbiegt.

Der Anschlag wurde im rechten Winkel verleimt.Für die Staubabsaugung verwende ich ein 40 mm Abflussrohr aus Kunststoff. Damit ich den Fräsanschlag quer über die ganze Platte verschieben und ausrichten kann (den Frästisch kann man nämlich auch wunderbar als Verleimhilfe in Verbindung mit Holzkeilen verwenden) habe ich noch 2 Alu-Profilschienen in die Platte eingelassen.

Und so sieht der fertige Frästisch dann aus. 2 Meter lang und 60 cm breit.
Nach diesem Wochenende fällt mir dazu nur noch ein: Du bist Holzwerker, wenn du 2 Tage lang ein Hilfsmittel baust, welches du nur 1 x pro Jahr benötigst.
(Dieses Resümee ist jetzt nur was für Insider!)

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Ursache und Wirkung von konvex und konkav in Verbindung mit dem Maserbild

Den richtigen Weg zu finden, ist manchmal nicht einfach. Sucht einer wie ich, den richtigen „Holzweg“, ist man für jede Orientierungshilfe dankbar.

Wegweiser

gefunden in Auffach/Wildschönau

Ist so eine Orientierungshilfe nicht vorhanden, hat man zwei Möglichkeiten…

Möglichkeit 1:
Umsetzung nach dem Bauchgefühl, also auf gut Glück. Erfahrungsgemäß ist diese Strategie mit sehr viel Risiko behaftet. Geht es gut, freut man sich zwar, aber es bleibt ein bitterer Beigeschmack, da man eigentlich nicht weiß, warum es „zufällig“ gut gegangen ist.

Möglichkeit 2:
Ursache und Wirkung erforschen, bevor man sich an das Originalbrett wagt.
Ist das Brett dann nach dem Schnitt so, wie man es sich errechnet und erhofft hat, fühlt man sich in seiner Werkstatt für ein paar Minuten wie Chuck Norris… also unschlagbar. Keine Angst … die meisten von uns, werden recht schnell wieder von der Realität eingeholt!

Mein aktuelles Projekt – ein kleiner Wandschrank (Birnenholz) mit konvex gewölbter Schranktüre – forderte von mir eine auf den ersten Blick recht banale Entscheidung ein:
Ich habe ein Brett für oben – also den Deckel des Schränkchens – und ich habe ein Brett für einen Schrankboden. Die Vorderkannten von Deckel und Boden sind auch bei geschlossener Schranktüre sichtbar. Welches Brett soll ich für den Deckel und welches Brett für den Boden verwenden und welche Kante zeigt nach vorne? 16 verschiedene Kombinationen habe ich nun zur Auswahl, da ja die Bretter auch Ober- und Unterseite haben.

Wo ist das Problem, wird sich nun Macher denken? Die bessere Kantenseite zeigen nach vorne und das Brett mit der schöneren Holzmaserung, nimmt man als Boden, da man ihn beim Öffnen des Schränkchens sehen wird. Ja, so kann man vorgehen – es handelt sich aber dann um die Strategie, die ich oben unter „Möglichkeit 1“ beschrieben habe.

Um das eigentliche Problem aber verständlich darzustellen, möchte ich einen kurzen Exkurs zu Designregeln im Möbelbau machen.

Was ist eigentlich gutes Design?
Vor einiger Zeit habe ich im Zusammenhang mit dem Möbelbau in einem Blog eine wunderbare Beschreibung dieser Perspektive gelesen…

Design ist, wenn Ästhetik, Funktion und Freude in einem Stück vereint ist.
So dass es sieht, hört, fühlt und denkt wie du.“

Damit ist in meinen Augen alles Wesentliche gesagt und es lässt jedem den Interpretationsspielraum, den er benötigt. Design kann man nicht auf einen von allen anerkannten Nenner bringen. Gewisse Grundregeln sollte man allerdings beherzigen und eine davon ist, den Maserverlauf zu beachten. Bei gewölbten Türen kann das dann schon eine echte Herausforderung werden.

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Das Maserbild sollte immer eine „Klammer“ bilden. Bei einer konvexen Türe eine geschlossene Klammer zum Schrank hin (linkes Bild oben). Bei einer Konkaven Türe wäre auch eine nach außen gerichtete Klammer möglich (rechtes Bild) – dies würde im Zusammenspiel mit der nach innen gewölbten Türe, die Höhe des Möbelstücks visuell verstärken.

Wichtig: Vermeiden sollte man aber auf jeden Fall eine „Doppelklammer“, so dass bei Deckel und Boden die Maserrichtung in die gleiche Richtung zeigt.

Aber nun zurück zu meinem Problem, den Deckel und den Boden richtig auszuwählen und die Vorderkante zu bestimmen. Es hilft, wenn man Probeschnitte in Abfallhölzer macht und beobachtet, wie sich die Maserung im Zusammenspiel mit den Jahresringen verhält. Wie stark sich diese Wirkung unterscheidet, kann man gut sehen, wenn man unterschiedliche Holzarten miteinander vergleicht. Muster habe ich mir für Eiche, Erle, Ahorn, Esche und Birne angefertigt. Alle erhalten einen Schnitt mit dem gleichen Radius.

Und hier das Ergebnis…

Will man für den Deckel und den Boden „Klammern“ bei der Maserung erzeugen, müssen die Jahresringe zueinander stehen. Siehe die nachfolgenden Bilder.
Die Jahresringe sollten nie in die gleiche Richtung zeigen!

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Eine Woche zu Gast bei Charles

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Impressionen

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Wahrnehmung

Vier Tage sind bereits vorbei. Die Zeit vergeht hier wie im Flug. Abends melde ich mich telefonisch bei der Familie. „Was hast du denn heute gelernt und wie geht es mit dem Schränkchen voran?“ Eine blöde Frage, aber ich würde sie vermutlich auch stellen, wenn ich meine Familie wäre. „Blöd“ empfinde ich die Frage deshalb, weil ich nicht genau beschreiben kann, was ich eigentlich gelernt habe. Ich möchte jetzt nicht die kleinen Tricks aufzählen, wie Einspannhilfe für runde Türen, Plastikfolie über die Leim-Fuge oder das sichere und genaue Schlitzen von Stirnholz mit der Kreissäge…. und das exakte Fräsen einer Nut in ein Rahmenteil mit einer absolut primitiv gebauten Tischfräse nicht zu vergessen.

Es ist etwas anderes… für mich viel wertvoller als ein Trick, den man vermutlich auch mal in der fine woodworking nachlesen kann… es ist die sensible und intensive Wahrnehmung des Materials Holz in einer anderen Dimension, als ich sie kannte. Und ich behaupte, bisher war ich auch nicht schlecht darin.

Lediglich etwas mehr Wahrnehmung … wow!!!

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Intensive Auszeit

Es ist schon der zweite Tag hier. Ein wunderbarer Ort, den ich mir für meine kleine (jährliche) Auszeit gewählt habe. Sechs Tage bei und mit Charles in der Werkstatt ist eine sehr intensive Zeit, die wir (Helmut und ich) uns gönnen.

Ich habe vor, einen kleinen Hängeschrank zu bauen. Höhe ca. 65 cm, Breite  ca. 36 cm, Tiefe ca. 18 cm. Den Montag Vormittag haben wir damit verbracht uns das ungefähre Design zu überlegen und das Holz auszuwählen. Ich habe mich für Birne entschieden auch wenn mir die Wahl nicht leicht gefallen ist. Einen solchen Schatz an außergewöhnlichen luftgetrockneten Hölzern, wie sie Charles in seiner Werkstatt  (und in seinem Keller) lagert, habe ich bisher noch nicht gesehen.

Heute haben wir von 9 Uhr bis 18:20 durchgearbeitet mit einer kleinen, maximal 30 Minütigen Mittagspause. Erst als ich dann abends im Hotel war, habe ich gemerkt, wie müde ich eigentlich bin. Müde aber sehr zufrieden!

20150519_110731Im Hintergrund gut zu sehen, die kleine Holzauswahl, die in der Werkstatt momentan vor sich hin temperiert.

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Ein paar Holzabfälle (gestockt Esche)

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Helmut auf der Suche nach der Lösung.

Weitere Berichte folgen – mit dem Tablet Pc ist das Blogschreiber mühsam.

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Ich nenne diesen Beitrag: „Das Maß aller Dinge sind 33 cm“…

… oder warum 33 cm beim Brunnentrogbau so immens wichtig sind!

Die vergangenen 2 Tage gehörten dem AVB (Alpenverein Bergwelt). Der Brunnentrog vor unserer Jubiläumshütte war nach 13 Jahren zu erneuern. Im Spätherbst hatte unser Verein Glück, da neben der Hütte Bäume gefällt wurden. Mit den Waldarbeitern konnte man reden und dem Erwerb eines geeigneten Stammes stand nichts im Wege. Mit dem Harvester gab es sogar Lieferung bis vor die Haustüre. Da der Winter aber schon vor der Türe stand, wurden an den Enden nur noch 2 massive Eisenringe eingetrieben, die Rinde entfernt und wenige Tage später verschwand der Stamm unter einer dicken Schneeschicht.

Nun im Mai war er wieder aufgetaucht und aufgetaut – somit eigentlich ideale Bedingungen um einen neuen Brunnentrog aus ihm zu machen. Es war nicht der erste Brunnentrog, an dem ich mitgearbeitet habe. Ich wusste, es werden klüpfelreiche Tage. Sicherheitshalber habe ich noch einen 3. Holzklüpfel aus Hainbuche gedrechselt. Da sich bereits nach wenigen Stunden, ein massiver Holzhammer in mehrere Teile aufgelöst hatte, war auch das eine gute Entscheidung.

Ein gesunder Stamm mit so einem Durchmesser stand uns für einen Brunnentrog noch nie zur Verfügung. Bereits am Mittwochabend standen wir mit Anreißmaterial vor unserer Herausforderung und machten uns Gedanken, wie breit und wie tief wir den Brunnen ausarbeiten sollten. „Ideal wäre, wenn ein Kasten Bier darin gelagert werden könnte!“ Ja, ich gebe zu, Männer gehen manchmal sehr pragmatisch bei der Lösungsfindung vor. Der nächste Weg führte uns zu unserem Nachbarn – der Lenggrieser Hütte. Da wir dem Wirt nicht zumuten wollten, dass er uns einen Kasten Bier genau vermisst und wir zudem befürchtet haben, dass wir das genaue Maß wieder vergessen, bis wir auf unserer Hütte sind, haben wir einfach einen Träger (natürlich voll) mitgenommen.  Auch diese Vorgehensweise, lässt den pragmatischen Ansatz nicht vermissen.
Nach dieser Aktion stand die Mindestbreite und Tiefe für unseren Brunntrog fest. Die Breite von 33 cm darf auf keinen Fall unterschritten werden. Wir legten noch 5 cm Sicherheitspolster drauf (der Baum gab es locker her) und  haben bereits am Abend alle Schnitte mit der Motorsäge gemacht und das Innere grob herausgearbeitet. Für den kommenden Tag war Dauerregen angesagt.

Für die Motorsäge hatte ich einen Tiefenanschlag gebaut. Eingestellt auf 20 cm haben wir vorgesägt. Die Holzwürfel ließen sich dann mit dem Kuhfuß leicht heraus hebeln.

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In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag hatte es durchgeregnet. Den angefangenen Brunnen hatten wir in weiser Voraussicht mit einer Plane abgedeckt. Dass daraus mal ein Brunnentrog werden sollte, konnte man in den frühen Morgenstunden schon deutlich erkennen.

Mit der stabilen Abdeckplane, 2 Sonnenschirme und ein paar Schnüren haben wir uns als erstes ein „Zeltdach“ über den Arbeitsplatz errichtet. So konnten wir trotz Regen arbeiten. Klüpfeln war angesagt. Ca. 3 cm haben wir per Hand herausgearbeitet.

Die Turboplane von Arbotech, war mir beim Begradigen der Flächen eine sehr große Hilfe. Die Scheibe wird einfach auf einen Winkelschleifer aufgespannt. Das Ding hat einen Holzabtrag, das ist unglaublich und hinterlässt auch noch eine schöne Oberfläche.

Zum Ende hin, musste dann auch noch ein Abflussrohr eingebaut werden. Das Loch habe ich mit einem 50 mm Forstner Bohrer (mit Verlängerung) gebohrt. Dann konnte das Abflussrohr eingepasst und verschraubt werden.

Am späten Abend hieß es dann …“Wasser marsch!“
Schön ist er geworden, der AVB-Bierkühler!

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„Ich habe keinen Sprung in der Schüssel!“

Es gibt mir aber zu denken, dass meine Familie seltsam lächelt, wenn ich das behaupte.

Hergestellt aus Kirsche. Dir Schale wurde aus Nassholz vorgedrechselt. Zum Trocknen befand sie sich 2 Wochen in einem Karton mit Spänen gefüllt. Durch den Trocknungsprozess hat sie sich wie erwartet verformt. Die weitere Bearbeitung erfolgte mit einem Bildhauereisen und Löffelmesser.

 

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