Ins Stocken geraten

Ein Nachtkästchen wurde bestellt. Der Bestellvorgang liegt schon ein wenig zurück aber bisher kommen immer ganz unvorhergesehene Dinge dazwischen.
Die Verführungen, auf dem Weg von meiner Werkstatttüre bis zur Hobelbank, die es auf meine Aufmerksamkeit abgesehen haben, sind einfach viel zu viele und zu groß!

  • Bilder von Hobeln, die ich noch bauen möchte…
  • eine Sägekluppe, die überarbeitet werden muss…
  • Einzelteile für eine Säge, die auf den Baubeginn warten…
  • ein paar Schachteln mit vorgedrechselten Schalen, die in feuchten Spänen vor sich hin trocknen….
  • frische Kirsche, die zum Schnitzen oder noch zum Nassholzdrechseln geeignet ist….
  • eine gestockte Eberesche aus der man bestimmt eine schöne Dose machen könnte…
  • und auch Abfallholz – dachte ich wieder mal!!!

Das Abfallholz – ein weiteres Stück Nussbaum, mit morschen Kern – wartete darauf, dass ich es mit der Kettensäge in ofengerechte Stücke zerteile. Das habe ich dann auch zuerst gemacht – ich brauch ja schließlich Platz, damit ich das Nachtkäschen beginnen kann! Pech war nur, dass an der Schnittkannte deutlich Stockflecken zu sehen waren. Die musste ich mit Hilfe der Drechselbank näher untersuchen.

Und so wurden dann ein paar sehr begehrte Mitbringsel / Geschenke daraus. Der Brennholzstapel und die Bestellerin des Nachtkästchens, hatten mal wieder das Nachsehen. Hoffe jetzt nur, dass der kommende Winter nicht zu kalt wird und der Karton als „Weckerständer“ noch ein wenig durchhält!

 

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Kurzer Hobel 47° (im Krenov Stil) mit Handgriff

Ein regulärer Golfball hat 336 Vertiefungen
Ich finde diese Tatsache erstaunlich und denke schon sehr lange über diesen ungewöhnlichen und äußerst komplexen Sachverhalt nach.  Er bereitet mir beinahe schlaflose Nächte. Hat er nämlich keine 336 Vertiefungen ist es womöglich kein Golfball. Man stelle sich vor: Dir gelingt ein Hole in One und anschließend zählt einer die Vertiefungen der weißen Kugel nach. „Was nur 334 Vertiefungen?“
Der Schlag zählt nicht 😦
Ein regulärer Krenov Hobel hat keinen Handgriff. Irgendwie war ich unkonzentriert und habe nun einen Krenov Hobel mit Handgriff gebaut. Darf ich den nun für den Möbelbau verwenden? Also ich meine zum glatt machen der Holzoberfläche und so.
Auf diese schei.. Idee hat mich Tom Fidgen mit seinen Buch „The Unplugged Woodshop“ gebracht. Tom hat in dem Buch unter anderem den Bau von 2 Hobeln beschrieben. Einen Putzhobel 50° und eine kurze Raubank 45° im Razee Stil. Beide Hobel gefallen mir optisch sehr gut! Aber ob man damit auch Hobeln kann oder darf?

Starten will ich mit dem kleinen Putzhobel, der einen runden Holzgriff hat. Ich halte ihn für einen echten Hingucker. Wie er hobelt, kann ich erst sagen wenn er fertig ist.
Daten: Länge der Hobelsohle 22 cm, Eisenbreite 40 mm

Vor ein paar Tagen habe ich eine 80 mm Schwarznussbohle besorgt. Sie war notwendig, da ich den Hobelkasten aus einem Stück fertigen will. Eisenbreite 40 mm + Flanken links und rechts je 10 mm – das mach zusammen einen Block von 60 mm (bereits gehobelt).

Das Hobeleisen möchte ich in einen Winkel von 47° stellen. Putzhobel mit 45° und 50° habe ich schon zu genüge. Die Schraube, die den Spanbrechen am Eisen hält, ist 16 mm breit. Ich fräse eine 17 mm breite Nut mittig in das Bett für das Hobeleisen.

Vor dem Verleimen des Hobelkastens muss auf einer Seite das Loch für das Keilwiderlager gebohrt werden. Als Widerlager verwende ich für diesen Hobel eine 6 mm Messing Stange. Die genaue Position des Eisens mit Spanbrecher wird eingezeichnet. Das Loch für das Widerlager setze ich 11 mm vor den Spanbrecher und 32 mm von der Unterkante der Hobelsohle entfernt.
Danach wird der komplette Hobelkasten mit Klebeband provisorisch fixiert und die 4 mm Löcher für die Holzdübel werden gebohrt. Die Bohrungen so an die Enden setzen, dass beim endgültigen Zuschnitt des Hobels, die Dübel mit abgeschnitten werden. Jetzt kann auch schon der Hobelkasten verleimt werden. Da ich diesmal die Messingstange für das Widerlager verwende, muss sie noch nicht vor dem Verleimen eingesetzt werden.

Für die Hobelsohle verwende ich 3 mm Pockholz. Der Hobelkasten sollte genau im rechten Winkel sein. Auch hier werden wieder 4 Löcher für die 4 mm Dübel in die Enden gebohrt. Damit hat man immer einen perfekten Sitz der Hobelsohle beim Verleimen. Durch den Hobelkasten wird innen das Hobelmaul auf der Sohle angezeichnet. Das Hobeleisen liegt in einem 47° Winkel im Hobelbett. Somit muss auch die Hobelsohle mit einem 47° Winkel durchgestochen werden. Mit einem 3 mm Bohrer setze ich eine Lochreihe mittig in das Hobelmaul. Eine Winkelschablone ist mit einem Stück Sandpapier am Boden schnell belegt (das sichert gegen Verrutschen). Langsam wird mit dem schmalen Stechbeitel von der Mitte weggearbeitet. Die letzten Stiche macht man dann durch den Hobelkasten. Mit Aceton reinige ich die Hobelsohle bevor ich sie mit Holzleim mit dem Hobelkörper fest verklebe.

Nachdem man mit der Feile das Hobelmaul gesäubert hat, bekommt der Hobelkasten seine Form. Die Seiten werden gehobelt, die richtige Länge festgelegt und mit der Schweifsäge die hintere Form ausgeschnitten. Mit dem Forstner habe ich dann die Nut für den Griffboden vorgebohrt und danach mit den schmalsten Stechbeitel die Schräge gestochen. Auch hier verwende ich wieder die „Winkelschablonen“. Die Dinger sind einfach praktisch. Inzwischen habe ich schon mehrere in meinem Fundus und es ist schön sie bei der Hand zu haben, wenn man sie benötigt.

20150406 042Na und dann gab es noch eine Überraschung. War ich doch der Meinung, ich fange mal mit dem Schwierigsten an – das war für mich der Griff, da ich noch nie einen vorher gemacht hatte. Nun stellte ich fest, dass die Form des Griffes nicht zur Lage des Hobeleisens passt.

Die Linie zu dem kleinen Höcker sollte parallel mit dem Hobeleisen verlaufen. Tut es aber nicht. Mir blieb nichts anderes Übrig, als mich von diesem Designelement zu verabschieden. 20150412 016Der Griff wurde deshalb von mir so umgearbeitet, dass die Rundung von oben kommend nun durchgehend ist. Somit kann man mit dem Hammer von oben das Eisen einstellen. Schade – ging aber nicht mehr anders.

Die Restarbeiten: Von einer Messingstange (6 mm) habe ich die notwendige Länge für ein Keilwiderlager abgesägt. Ebenso ein Stück aus einer 19 mm Messingstange für den Schlagknopf. Durch das schon vorgebohrte Loch für das Keilwiderlager wurde das 2. Loch gebohrt. Auch ein 19 mm Loch für den Schlagknopf wurde 25 tief in den vorderen Bereich des Hobelkörpers gebohrt. Den Schlagknopf habe ich mit 2 Komponentenkleber eingeklebt. Der Hobelkörper wurde leicht rund geschliffen und der Keil für das Hobelmesser angefertigt. Auf 150er Schleifpapier auf geradem Untergrund wurde die Sohle abgerichtet, bis das Hobelmesser durch die Sohle konnte. Die Öffnung des Hobelmaules habe ich so gering wie notwendig gehalten.

Und nun die spannende Frage: Hobelt das Ding, wie es soll?

Ja das tut es!!! Ein dünner Span, von einem Brett aus Erle abgenommen, der eine wahre Freude ist. Der Hobel ist wunderbar zu führen mit dem Griff und er sieht toll aus.
Die Arbeit hat sich gelohnt! Freude!!!

Und weil er so schön ist, noch ein paar Bilder…

Die Herstellung des Griffs ist hier beschrieben.

 

 

 

 

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Anstatt ein Lagebericht zum Hobel… nun das

Wollte euch eigentlich einen kurzen Zwischenbericht geben, wie es mir mit dem exotischen Krenov Hobel geht. Anstatt zu schreiben, amüsiere ich mich seit einer halben Stunde über die junge Amsel, die genau vor meinem Fenster sitzt und mir schon den ganzen Balkon vollgeschissen hat.

20140412_2 003

Ja und weil das an einem Sonntag bei wunderbaren Frühlings-Temperaturen nicht reicht, gabs heute noch eine Überraschung im Garten. Der Teich, den ich im vergangenen Jahr angelegt habe, wird von der Natur in Beschlag genommen. Die Molche sind wieder da und heute haben Kröten abgelaicht. Die Kerlchen bringen sich auch noch richtig in Pose, wenn ich mit dem Fotoapparat komme.
Wenn ich das sehe, denk ich mir… da hat sich doch die Schinderei im vergangenen Jahr gelohnt!

Neues vom Hobel gibt es dann halt morgen oder so.
Schönen Abend!

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Die Zeit im Griff haben

20150406 044Zwei Wochen Werkstattverbot….waren für mich die Höchststrafe. Zukünftig werde ich mit meinem Berner Eisen besser aufpassen. Der Doktor im Krankenhaus, war auch handwerklich begabt. Der konnte richtig gut Nähen und als Fachmann hat er sich mir gegenüber  qualifiziert, als er festgestellt hat, dass meine Schnitzeisen richtig! scharf sind. So einen schönen Schnitt sieht man selten, hat er gemeint.
Nun gut…. morgen kommen die Fäden raus, dann ist auch diese Erfahrung abgehakt.

An diesem Wochenende hab ich es aber nicht mehr ausgehalten. Trotz eingebundenem Daumen, musste ich für ein paar Stunden in den Keller. Ich dachte mir, mit Handicap braucht man für jede Tätigkeit doppelt so lange, dann komm ich im Keller richtig auf meine Kosten.

20150406 005Aus einer 80 mm Nussbaumbohle (meine Leser wissen, was das bedeutet) war schnell ein provisorischer Tisch gebaut und einem gemütlichen Werkstattnachmittag stand nichts mehr in Wege. Bei Kaffee und Kuchen wurde die Idee geboren, meine heutige Zeit in einen Griff zu investieren.

(Bilder sind kommentiert)

Zunächst habe ich mir wieder mal eine Schablone gebaut. Schablonen haben 2 große Vorteile:
1. Die Form ist reproduzierbar und
2. wenn das Endprodukt nicht passt, kann man mit Hilfe der Schablone nach dem Fehler suchen, da man ja die ursprüngliche Ausgangsform noch hat.

Und danach hat der Griff die Zeit mit Raspeln, Feilen und Schleifen fest im Griff. Da sind schon schnell mal 2 Stunden vergangen. Ob es an meinem Daumen lag?

Und fertig sieht er dann so aus. Dafür, dass es mein erster selbstgemachter Griff ist, kann er sich sehen lassen!

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Grünholz-Experimente

20150323 040_CSollte ich die Phase beschreiben müssen, in der ich mich aktuell als Holzwerker befinde, dann würde ich rastlos als zutreffend bezeichnen.
Verspüre ich doch einen unheimlichen Drang ständig neue Techniken zu erproben. Und das spannende dabei ist, dass während der Umsetzung schon wieder neue Ideen kommen, wie oder was man noch anders machen könnte. Holz lässt mir einen kreativen Spielraum, an dessen Grenzen zu stoßen, ich mir immer weniger vorstellen kann, je länger ich mit dem Material arbeite. Unterschiedlichste Gestaltungs- und Bearbeitungs-Techniken lassen sich beliebig kombinieren und machen das Arbeiten abwechslungsreich.

Sich mit Grünholz in der Werkstatt auseinanderzusetzen, kommt spätestens mit dem Einstieg in das Drechseln. Grünholz lässt sich aber auch wunderbar schnitzen. Kann man sich weder für das eine noch das andere entscheiden…. macht man einfach beides in einem Projekt.

Die Drechsel-Schnitz-Grünholzschale

20150403 025_bZubereitung:
Man nehme einen frischen Prunus avium – jedenfalls ein ordentliches Stück davon – und spanne ihn in die Drechselbank. Je nach Geschmack, wird zunächst die spätere Außenseite abgerundet – danach erfolgt die Rundung der Innenseite.

Ist die Vogelkirsche gar beziehungsweise dünn genug, erfolgt die weitere Bearbeitung mit den Schnitzmessern. Das gerade Messer für die Außenseite und das Gebogene für die Innenseite. Auf den Bildern sieht das mühsamer aus, als es in wirklichkeit ist. So lange das Holz nass ist, (also Grünholz ist) geht es richtig gut zum schnitzen.

Eine geschnitzte Holz-Oberfläche sieht anders aus und fühlt sich auch anders an, als eine geschliffene Oberfläche.

20150323 042Nachdem die Oberfläche fertig war, musste man die Schale langsam trocknen lassen. Dazu habe ich sie zwei Wochen in einem Karton mit Drechselspänen im kühlen Keller stehen lassen. (Danke Frederik für den Tipp!) Gestern habe ich sie dann aus den Spänen geholt und über Nacht noch auf meiner Werkbank liegen lassen. Sie hat keine Risse bekommen – ich hoffe das bleibt auch so!
Die Endbearbeitung mit Olivenöl (das Finish) erfolgte dann in der Küche.  Somit ist sie auch lebensmitteltauglich.

Noch ein paar Bilder vom fertigen Objekt:

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Geschichten die faszinieren

Das WWW liefert doch manchmal richtig schöne Geschichten…

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Fauliges Holz mit Charakter

Lange habe ich gezögert und überlegt, ob ich mich mit einem fauligen Stück Holz abgeben soll. Zugegeben, wenn es nicht Nussbaum gewesen wäre, ich hätte vermutlich nicht mal das Nachdenken darüber angefangen. Warum eigentlich nicht?

20150323 049swIst Holz faulig, hat Risse, sind Maden tätig gewesen oder ist ein Ast rausgebrochen, dann trägt es den C-Stempel. Es ist nicht mehr makellos und wandert meist in die Brennholzkiste.

20150323 048swWir, die Betrachter, neigen schon sehr zum schwarz-weiß Denken. Noch schlimmer, die Holzwerker, egal ob Schreiner oder Hobbyisten, die der Ansicht sind, ihre Arbeit wird mit den „Fehlern“ im Holz gleichgesetzt.
Man vergisst dabei… Holz ist ein Naturprodukt. Risse und schadhafte Stellen gehören zu diesem Material, wie das Salz in das Meer.

20150323 047swMakelloses Holz zu verarbeiten ist natürlich einfacher… es strengt weniger das Hirn an! Man muss sich keine Gedanken machen, wie man aus einem fauligen Stück Holz noch was machen kann.

20150323 053swAber besteht nicht darin der Reiz der Sache? Aus etwas Minderwertigen, was Hochwertiges oder Besonderes zu machen? Die „Fehler“ in Szene zu setzen? Dem betrachtenden Auge was zum Spielen, zum Erforschen anzubieten? Zum Anfassen verführen?

Ich glaube mit makellosen Holz ist das sogar etwas schwieriger! Das Auge und der Verstand ist daran gewöhnt. Der Betrachter erwartes das Fehlerfreie und nimmt es als Selbstverständlichkeit hin. Seine Blicke wandern schnell über das Objekt…. nichts Besonderes… kein Grund zum Anhalten… ab zum nächsten Gegenstand.

Aus Nussbaum 3. Wahl

Der Kern, auf den Bildern deutlich sichtbar, war total faulig. Ich habe den Drechsel-Rohling so geschnitten, dass die Schalenoberkante mit dem schadhaften Holz endet. Das restliche Holz war unversehrt mit einer tollen Zeichnung. Nach dem Aushöhlen der Schale wurde der Kern mit Messer, Raspel und Feile entfernt.

Entstanden ist eine Nussbaum-Schale „3. Wahl“.
Nicht mit einem Loch, sondern sogar mit 2 Löchern und einer riesigen Delle am Boden.
Aber eines hat die Schüssel…. einen eigenen, Charakter! Nicht die gedrechselte Form steht im Mittelpunkt, sondern klar das Holz mit seiner Natürlichkeit und seinen Fehlern.

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Schweifsäge (Teil 2)

20150321 007Es war nicht mehr viel zu tun. Gestern Abend habe ich noch die Sägeangeln in die Griffe geklebt. 12 Stunden benötigt der 2 Komponentenkleber bis er vollständig aushärtet ist. Heute musste ich dann nur noch das Spannbrettchen anfertigen und die Einzelteile ölen.
Den Probeschnitt hat sie auch schon gemeistert.

Es war ein kleines Projekt, das richtig Spaß gemacht hat. Ein Augenschmaus sind die gedrechselten Hefte aus der Eberesche geworden. Der Baum stand mal auf 1300 Meter auf dem Seekar.

Zum Spannen der Säge, verwende ich geflochtene Hanfschnur 2 mm stark.

Hier noch ein paar Bilder

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Schweifsäge (Teil 1)

Ich kann mich an kein Projekt erinnern, in dem ich nicht einen Winkel gebraucht hätte.
Baut man eine Schweifsäge, benötigt man diesen Werkzeugklassiker nicht. Man beschäftigt sich ein paar Tage mit schönen Proportionen und wohl geformten Rundungen, welche die Sinne anregen.  Wer jetzt 90 – 60 – 90 vor dem geistigen Auge hat, den muss ich enttäuschen. Die Säge würde viel zu groß und unhandlich werden. Bei dem Topp Modell einer Schweifsäge gibt es andere Idealmaße. Sollen die Sägeblätter von Gramercy Tools verwendet werden, beschäftigt man sich eher mit den Maßen 30,5 – 34,3 – 30,5 !
Ich schreib es nur lieber dazu, nicht dass einer von Euch Idealmaß hört und 90 – 60 – 90 für ihn dann sägetechnisch in einem Desaster endet.

Zunächst habe ich mir die Inch-Angaben auf dem Gramercy Plan in cm umgerechnet. Auf einem dünnen Buchenbrett habe ich die Schablone aufgezeichnet und mit der Bandsäge ausgeschnitten. Für die Seitenholme verwende ich Esche. Da der gehobelte Eschen-Riegel 45 mm stark ist, genügt es die Kontur nur auf einen Riegel zu übertragen. Ich habe dann den Holm ausgeschnitten und mit Feilen die Form nachgearbeitet. Erst danach habe ich die Holme mit der Bandsäge auf die Stärke von 20 mm geschnitten. Somit hat man ohne Mühe zwei spiegelgleiche Teile.

Jetzt darf man sich mit dem Feilen vergnügen. Die Griffmulden habe ich mir bei Uwe, der schon mehrere Schweifsägen gebaut hat, abgeschaut. Die Säge liegt wirklich besser in der Hand!

Für den Mittelsteg habe ich Nussbaum verwendet. In der Restekiste war noch ein Randstück mit schöner Naturkante – ich konnte nicht widerstehen, solche Naturgeschenke müssen eingebaut werden. Die oberen Enden der Seitenholme, waren mir auch zu schnörkelig. Auch hier wurde nachgearbeitet.
Ja und dann sind auch schon die wesentlichen Bestandteile der Schweifsäge fertig.

Jetzt geht es schon an die Herstellung, der Handgriffe. In meinem Schuppen habe ich seit 2 Jahren ein paar Trümmer Eberesche liegen. Die ist mir 1000 Höhenmeter vom Berg runter nachgelaufen. Mal schauen, ob man aus diesem Holz nicht noch einen Eyecatcher zaubern kann.

Eberesche bekommt erst nach vielen, vielen Jahren diesen dunklen Kern. Das Holz lässt sich wunderbar drechseln. Ich finde die Griffe richtig klasse.

Ich denke, nächstes Wochenende wird die Schweifsäge fertig und der erste Probeschnitt wird fällig.

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Werkzeugbau für den Werkzeugbau

Ein bestimmter Hobel hat es mir angetan… ich habe ihn neulich mal in einem Buch gesehen. Optisch ein Meisterwerk und aus einem Stück Nussbaum gefertigt. In dem Moment, als ich das Bild zum ersten Mal gesehen habe, wusste ich… den Nachbau von diesem Hobel, möchte ich versuchen.
Mit dem Hobelbau habe ich mich schon häufiger und durchaus erfolgreich auseinandergesetzt.
Also was hindert mich noch? Warum ist der Hobel noch nicht fertig?

Es sind drei Dinge…

  1. Der Hobel ist aus einem Stück Holz gefertigt. Die Maserung zieht sich wunderbar über den Hobelkasten bis in den Griff hinein. Auf diese Besonderheit möchte ich nicht verzichten wollen. Wenn ich den Hobel mit einem 40 mm Eisen bestücken will, benötige ich einen gehobelten Kantel mit einer Stärke von 60 mm – ungehobelt landet man dann bei ca. 70 mm. Mein Händler hat Nussbaum in der Stärke von 52mm, 60mm und 80mm. Somit werde ich mir wohl oder übel eine 80 mm Bohle bei ihm aussuchen müssen bzw. dürfen.
    Ich könnte aber auch bis Mai warten und schauen, ob ich dem Charles einen schönen Kantel in seiner Werkstatt abschwatzen kann. Wie ich ihn kenne, hat er auch so ein „Sondermaß“ in seinem Holzvorrat. Nun gut, es scheint dieses Materialproblem ist relativ einfach lösbar.
  2. Bisher habe ich klassische Krenov Hobel gebaut. Dieser Hobel hat aber einen Griff und zwar einen runden, geschlossenen Griff, wie wir ihn auch von einigen Sägetypen her kennen. Den Griff muss ich somit mit einer Schweifsäge aussägen. Eine Schweifsäge habe ich nicht! Was bleibt mir übrig? Ich muss erst eine Schweifsäge bauen – auch dieses Opfer würde ich in Kauf nehmen.
    Natürlich…. andere sägen den Griff mit einer Stichsäge aus! …. aber ich bin nicht andere. Ich vertrete die Ansicht, die Werkzeuge, die man verwendet um ein Werkzeug zu bauen, sollten zueinander passen. Es handelt sich hier eher um eine philosophische Betrachtung,… keine Rationelle – das gebe ich offen zu. Ich muss aber auch nicht von diesem Handwerk, meinem Hobby, leben und kann mir deshalb den Luxus, diese Einstellung zu haben, gönnen.
  3. Schweifsäge bauen, hört sich ja nicht so tragisch an. Sägeangeln aus Messing habe ich mir vor einiger Zeit besorgt und die notwenigen Schablonen sind mal in einer langweiligen Werkstattstunde (Überbrückung der Leim-Trocknungs-Zeit) nebenbei entstanden.
    Für die Griffmodellierung der Schweifsäge und des Hobels möchte ich Holzraspeln verwenden. Liogier hat hier ein tolles, handgefertigtes Sortiment.
    In der 2. Januar-Woche hab ich direkt in Frankreich 2 Spezialraspeln bestellt.
    Und…. schon am 9. März (des gleichen Jahres) wurden sie geliefert.
    Tja…. hochwertige Handarbeit ist offensichtlich gefragt.
    Weltweit gibt es da ein paar Ausnahmebetriebe, die können sich solche Lieferzeiten erlauben und man bestellt trotzdem noch bei ihnen.
    Bad Axe gibt eine Wartezeit von 7 Wochen an – das doppelte sollte man nach meiner persönlichen Erfahrung einplanen!
    Bei Blackburn hat man für eine Säge, die man heute bestellt, aktuell eine Wartezeit von 24 Monaten (steht offiziell auf der Homepage)!
    Meine Tochter musste 10 Monate auf das bei mir bestellte TV-Lowboard warten!

Die logische Schlußfolgerung daraus:

Mit der Auftragslage von Blackburn, kann ich noch nicht mithalten, aber Liogier und Bad Axe habe ich bereits um Monate abgehängt.
Tja…. hochwertige Handarbeit ist offensichtlich gefragt. (ups… das sagte ich ja schon!)

20150309 021

Somit wird sich das mit dem Hobelbau noch ein wenig hinziehen.
Ich muss erst alle Voraussetzungen dafür schaffen, dieses besondere Hobel-Projekt angehen zu können. Als erstes folgt nun der Versuch, eine Schweifsäge zu bauen.
Dabei handelt es sich quasi um den Werkzeugbau für den Werkzeugbau.

Ich wünsche Euch ein kreativ erfolgreiches Werkstattwochenende!

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Sägekluppe

Vor ungefähr 5 Jahren habe ich mir meine Japansägen gekauft. Ich kann mich gut daran erinnern, dass ich nach den ersten Probeschnitten meinen alten Fuchsschwanz in den Müll geschmissen habe. Er hat nie richtig gut gesägt. Ich hatte ihn vor x Jahren mal in einem Baumarkt erworben. Naiv war ich zum damaligen Zeitpunkt der Meinung, Handsägen seien alle so stumpf.

Vor ein paar Wochen habe ich mich über diese Entsorgung das erste Mal geärgert – ich hatte die Schärfanleitung von Friedrich gelesen und daraufhin beschlossen, das Sägeschärfen erlernen zu wollen. Nach dem ausführlichen Studium von Friedrichs „Enzyklopädie über das Schärfen der gemeinen westlichen Handsäge„, habe ich wirklich Lust darauf!
An dieser Stelle mal ein herzliches Vergelt’s Gott an Friedrich Kollenrott für die Mühe sein Wissen in schriftlicher (und kurzweiliger) Form zur Verfügung zu stellen!

Zum zweiten Mal ärgern musste ich mich gestern an der Kasse im Baumarkt. Der Fuchsschwanz zum Üben hat zwar lediglich € 10,45 gekostet, weist aber bei weitem nicht die Güte, weder in Aussehen noch in Qualität, der entsorgten Säge auf.

Eine Übungssäge oder besser ein Übungsblech besitze ich nun. Die notwendigen Feilen liegen schon in der Schublade. Fehlt nur noch die Sägekluppe!

20150309 032Nachdem die Anschaffung der Übungssäge (ist übrigens nicht die, die hier auf den Bildern zu sehen ist), mein mir zugeteiltes Taschengeld für dieses Monat aufgezehrt hat, wollte ich behutsam bei der Auswahl der Komponenten vorgehen.

Neben 2 Stück Eiche aus der Restekiste (10 cm breit und 35mm stark) und 2 Stück Hainbuche (45 mm x 50 mm), kamen noch ein verstellbarer Kegelgriff aus Stahl, eine Stahlscheibe 5 mm stark, eine Flachkopfschraube M12, eine Flachkopfschraube M6 und eine Mutter M6 (selbstsichernd) zum Einsatz.

Zunächst habe ich die Spannbacken geschnitten. In der Mitte wurde auf der Breite von 10 cm die Überplattung vorbereitet. Was dann von den Eichenstreben weg muss, kann man  direkt mit dem Starrett-Winkel abnehmen und damit die Höhe der Kreissäge einstellen. Die Spannbacken wurden noch abgeschrägt und gehobelt. Danach wurde auch schon verleimt. Nach dem Verleimen habe ich mit Hilfe der Kreissäge die Spannbacken noch 20° abgeschrägt. (keine Fotos gemacht – verbummelt!)
Noch ein wenig Verputzen mit dem Hobel und schon sind die beiden Seiten fertig.

Danach habe ich mir die hintere Spannbacke der Sägekluppe so in die Vorderzange eingespannt, dass sie eine angenehme Arbeits- bzw. Feil-höhe für mich hat. Mit der Wasserwage wurde überprüft, dass sie auch waagrecht steht. Nun wird einfach der untere Abstandsklotz angeschraubt. Er sorgt zusätzlich dafür, dass die Feilkluppe ohne Justieren immer gleich eingespannt wird. Die vordere Spannbacke wird nun 1 cm geringer als die Arbeitshöhe abgeschnitten. So bleibt sie beweglich. Mit einem 35 mm Forstner wird eine kleine Aufnahme für die Unterlegscheibe gebohrt, danach mit dem 12 mm Bohrer gerade durch beide Spannbacken. Ein 2. Loch – 6 mm – ein kleines Stück oberhalb der Werkbankplatte auch durch beide Spannbacken.
Beide Schrauben können nun eingebaut werden. Die obere Schraube (M12) mit dem Kegelgriff ist für das Spannen zuständig. Die untere Schraube 6 mm sorgt lediglich dafür, dass die Spannbacken sich nicht seitwärts bewegen können, wenn sie nicht unter Spannung stehen. Die selbstsichernde Mutter wird deshalb auch nicht fest angezogen! Das war’s dann auch schon – die Sägekluppe ist fertig.

Der Bau der Feilkluppe war ja kein großes Problem – das Schärfen lernen, wird vermutlich schon noch Eines!

Und noch ein Blick durch die Leuchtenlupe auf die richtige Übungssäge…

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Kettensägenaufsatz für die Sägebank

Beim Bau der Sägebank habe ich mich bewusst für die Variante mit den schräg gestellten Beinen auf einer Seite entschieden. Der Grund ist, dass ich auf oder besser mit dieser Sägebank auch komfortabel mein Drechselholz schneiden möchte. Das bedeutet, die Sägebank muss auch „Motorsägen-geeignet“ sein.
Nun habe ich mir heute eine entsprechende Zusatzausstattung gebaut, die dies ermöglicht.
Aufsatzzangen, geschnitten aus Hainbuche, werden in den 28 mm breiten Schlitz gesteckt und halten das Sägegut in Position.

Und… was soll ich euch was sagen: „It works!“

Bevor aber nun die Kommentare kommen… „Wie kann man nur! So eine schöne Sägebank …. und die Kettensäge zerstört doch gleich die Arbeitsfläche, wenn man nicht aufpasst!“

1. Die Sägebank ist eine Sägebank – wenn sie sich keine Gebrauchspuren erarbeiten darf, hätte sie sich einen anderen Beruf suchen sollen!

2. Werde ich beim Arbeiten mit der Kettensäge ein Opferbrett auf die Arbeitsfläche klemmen, damit ein Schmiss hinausgezögert wird.

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Ruhebank oder Sägebank

20150302 051Ich glaube ab heute wird die Produktivität in meiner Werkstatt stark nachlassen.
Hab mir eine Sägebank gebaut und festgestellt, dass sie zum Sitzen und eine Tasse Tee genießen, genau die richtige Höhe hat. Wird der Familie nicht gefallen, dass sie jetzt noch länger auf ihre Bestellungen warten darf.
Da diese Sägebank also nicht nur zum Sägen, sondern auch zum Sitzen und …… (sag ich noch nicht) bestens geeignet ist, ist sie eigentlich eine „Multifunktionsbank“ oder der „Eierlegendewollmilchbock“!

Ich Büchern von Christopher Schwarz oder Tom Fidgen, habe ich Sägebänke in diesem Stil schon häufiger gesehen. Die „Sawyer’s Bench“ von Tom Fidgen ist meines Erachtens etwas besser, da sie auf einer Seite die Beine in einem 100° Winkel ausgestellt hat und deshalb die Bank nicht so leicht zum Kippen neigt. Da ich ab und zu auch Baumabschnitte mit der Motorsäge in meinem Keller schneide (wenn ich Material zum Drechseln vorbereite), war das für mich ein wichtiges Detail.
Gebaut habe ich die Sägebank aus Esche, für die Beinversteifungen habe ich Eiche verwendet.

Der Bau einer Sägebank macht richtig Spaß. Man kann mit Maschinen arbeiten, muss es aber nicht. Viele Holzverbindungen bieten sich an, dass man sie mit Handsäge, Stemmeisen und Holzraspel nach alter Art herstellt. Nach was einem gerade ist.
Um möglichst hohe Stabilität bei der Verbindung der Beine zur Arbeitsfläche zu erreichen, habe ich die Zapfen auf 3 Seiten je einen cm abgesetzt. Das hat schon ohne Leim super gehalten.

Nach dem Verleimen wurden die Beine noch zusätzlich mit 10 mm Holzdübel gesichert. Auf der Kreissäge habe ich die Beine gleichmäßig auf 50 cm abgeschnitten.
Achtung: beim den schräg gestellten Beinen muss man natürlich was unterlegen, dass der Winkel richtig gesägt wird. Die Überprüfung mit der Wasserwage bestätigt diese Theorie.

Für die Verbindung der beiden Arbeitsplatten habe ich ein Eichenbrett 35 mm verwendet, welches im Bereich der Beine um 15 mm abgesetzt wurde.

20150302 042Die Sägebank ist fertig. Auch zum Sitzen und Teetrinken geeignet. Aber….. irgendwie fehlt noch die besondere Verwendung?!
Muss man richtig lange Bretter oder Bohlen schneiden, benötigt man 4 Auflagepunkte um dies komfortabel erledigen zu können. Dafür habe ich mir 2 Arbeitsböcke mit der gleichen Höhe wie meine Hobelbank gebaut. 2 Böcke + Hobelbank = 3 Auflagen. Es fehlt zum richtigen Komfort noch Eine.
Wenn doch nur der Sägebock etwas höher wäre oder ausfahrbar! Nichts ist unmöglich.

Eine Stunde später war auch dieses Problem gelöst. Ein Aufsteckbock für den Sägebock. Geringer Aufwand, geringer Platzverbrauch, bei Bedarf sofort aufgesteckt und absolut stabil. Nun kann ich komfortabel meine 4 Meter-Bohlen ablängen, ohne dass mir ein Stück Baum schmerzhaft auf die Füße fällt.

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Umzug der Schleifecke

Ich glaube eine Werkstatt ist nie ganz fertig. Es gibt immer wieder Dinge, die man optimieren kann. Vor 3 Jahren hatte ich mir eine kleine Schleifecke eingerichtet. Sie war eigentlich ganz ok – nur am falschen Ort in meiner Werkstatt.
Dort, wo sie war, hat sie mir zu viel Platz weggenommen, den ich gerne anderweitig nutzen möchte. Nun hatte ich mich zu einem kleineren Umbau durchgerungen – ja es war Überwindung. Wer räumt schon gerne auf?!

Meine Holzrestesammelecke – jeder der schreinert, weiß was das bedeutet – musste weichen. An diese Stelle soll ein Maschinenschrank als Unterbau und die neue Schleifecke.

Ja… die Ecke hatte schon ein wenig Schrottplatzflair. Wenn man geduldig war, hat man auch meist was Passendes gefunden.

Die Unterschränke habe ich aus Holzresten und Presspanplatten gebaut. In den Schränken sind nun die Maschinen verstaut, die vorher in Systainern unter der Werkbank waren. So konnte ich eine komplette Werkbank wieder leer bekommen.
Für die Arbeitsplatte am Nass-Schleifplatz wurde eine Siebdruckplatte verwendet.

20150228 021Den alten Schleifplatz kann ich jetzt bestens für andere Dinge verwenden.

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Sägegatter – der Kirschbaum ist nun in „Scheiben“ geschnitten

Habe ein holzreiches Wochenende hinter mir. Das merke ich nicht nur dann, wenn ich mir die Bilder ansehe, sondern alleine schon deshalb, weil selbst das Tippen dieses Textes schmerzt. Nach manchen Arbeiten lässt sich jeder Knochen sehr leicht lokalisieren. Sie melden sich quasi auf Zuruf.
Nun am Samstag war ich ein wenig mit Verpacken beschäftigt. Mit Palettenfolie habe ich die Schnittkanten von meinem Drechselholz eingewickelt. So will ich verhindern, dass die Kanten zu schnell austrocknen und deshalb das Holz stark reißt. Ich habe auch schon gelesen, dass manche die Schnittkanten mit Leim oder Wachs versiegeln, aber diese Kleckserei wollte ich erst mal vermeiden. Mal schauen, ob es mit der Folie auch geht. Ich werde wöchentlich einen Blick darauf werfen, falls das Holz faulig werden sollte, oder Pilzbefall droht, kommt sie runter. Dann kann ich immer noch den Leimeimer zücken.

20150223 012Der Montag begann für mich eigentlich mit einem spannenden Museumsbesuch. Um 8:45 war ich wie vereinbart beim Josef auf dem Hof. Die beiden Kirschenstämme lagen schon auf dem Hänger und es ging los in das ca. 3 km entfernte Sägewerk. Ich muss zugeben ich hätte viel erwartet, aber mit so einer Zeitreise in die Vergangenheit habe ich nicht gerechnet. Der Besitzer des Sägewerks, der kurz vor dem Rentenalter steht, konnte mir die Frage, wie alt die Maschine ist, nicht beantworten. Sie sei noch von seinem Vater.
Aber schaut euch einfach die Bilder an.

Ich war fasziniert, von der alten Technik und hätte stundenlang zusehen können. Doch einmal bin ich auch sehr erschrocken. Ihr kennt doch sicherlich den blöden Witz, wie ein Arbeiter vom Sägewerk 5 Bier bestellt – er streck die Hand in die Höhe, an der nur noch 3 Finger sind.
In Zukunft, wenn am Stammtisch einer diesen „Brüller“ bringt, wird mir garantiert der heutige Tag einfallen. Der Sägewerksbesitzer hat einmal kurz seinen rechten Lederhandschuh ausgezogen. Er hatte keinen einzigen Finger mehr! (Das ist jetzt kein Witz)

Ja so gegen 11 Uhr lag dann der Baum in 30mm „feinen Streifen“ geschnitten vor meiner Garage. Von Obstgehölz muss die Rinde runter, sonst kommen die Schädlinge zum Buffet. Ich verbrachte den ganzen Nachmittag damit. Die schweißtreibende Arbeit hat sich aber gelohnt. Die Bretter haben eine gigantische Zeichnung. Es ist zwar noch eine Zeit hin, bis ich das Holz verwenden kann, aber ich freue mich jetzt schon auf das erste Möbelstück daraus.

PS: Ich merk es jetzt erst – das war Beitrag Nr. 100! Passt ja mit dem Thema 😉

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Prunus avium – er hat mich gefunden

20150202 002Seit ich viel mit Holz arbeite und sich das herumgesprochen hat, habe ich manchmal den Eindruck… „das Holz sucht mich„. Vor 3 Wochen erhielt ich einen Anruf von dem Bauern, der uns immer das Brennholz liefert: „Bei mir steht ein Kirschbaum, den ich arbeite – brauchst du Holz zum Drechseln?“ Am nächsten Tag stand ich um 9 Uhr bei im auf dem Hof…. nein besser ich stand auf dem Trittbrett seines kleinen Traktors und wir fuhren bei Eiseskälte in ein nahe gelegenes Waldstück zur Besichtigung. Als ich den Baum sah, gab es nichts zu überlegen – „Josef, wenn es Recht ist nehm ich ihn ganz und falls der Stock nicht faulig ist, möchte ich den unteren Stamm ins Sägewerk bringen.
So oder ähnlich, hat sich schon mehr Holz in meine Werkstatt verirrt. Vor 4 Jahren ein Nussbaum mit 60 cm Stammdurchmesser, eine Eberesche, eine kleine Kirsche und ein Birnbaum den ich noch abholen muss. Die Einlagerung ist eine echte Herausforderung, aber Platz finde (oder schaffe) ich immer. Beim Verstauen der Bretter fällt mir die Geschichte ein, die mir Charles vor 2 Jahren erzählt hatte. Er stapelte mal Bretter zum Trocknen in seinem Schlafzimmer unter dem Ehebett, da er sonst keinen Platz mehr hatte.
Na ja – in dieser Woche muss ich auch wieder ca 1,5 Festmeter verstauen – ich schau später mal nach, ob unter dem Bett noch Platz ist.

Diesen Samstag war der Kirschbaum dann umgeschnitten. Der Stammdurchmesser am Stock ca. 45 bis 50 cm. Den Stamm ( 2 x 3 Meter ) fahren wir dann nächstes Wochenende in das Sägewerk. Die Bretter kommen danach zu mir – Schlafzimmer als Lagerstätte, versuche ich zu vermeiden. Der restliche Baum, fand bereits heute zu mir. Mittags lag ein „kleiner“ Haufen Drechselholz vor meinem Garten. Ich war entzückt!

In der Werkstatt sind aktuell 3 Projekte parallel am Laufen. Unter anderem habe ich damit begonnen meine „Holz- und Leistenecke“ mit einem Maschinenschrank zu bestücken. Die Schleifecke möchte ich auch nach dorthin umziehen. Der Anfang von ein paar Umbauten, die ich mir für 2015 vorgenommen habe.

Mit dem 2. Schrank wollte ich heute eigentlich weiter machen, aber dann kam mir irgendwie die Kirsche dazwischen…. und es lag so viel schönes Drechselholz vor dem Haus…. und dann lag plötzlich ein kleiner Stamm im Keller…. der Nachmittag nahm seinen Lauf.

Am Ende des Tages waren 2 Schüsselrohlinge gedrechselt. Ich musste mich davon überzeugen, dass das erworbene Drechselholz keine Fehlinvestition war.
Für mich, als Drechselneuling, war es auch das erste Mal, dass ich Nassholz gedrechselt habe. Da fliegen dir nicht nur Späne um die Ohren, sondern auch reichlich Feuchtigkeit. Die Rohlinge habe ich gewogen und dann in einen Sack mit den feuchten Spänen gepackt. Hier sollen sie die nächsten Monate langsam trocknen, bis sie dann auf die entgültige Form gedrechselt werden können.

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TV-Lowboard passt, wackelt und hat Luft

Übergroßem Faschingstanzeifer, der die  Tanzbeine außerordentlich strapazierte, dass eine notwendige Zwangspause verordnet wurde, habe ich zu verdanken, dass ich mitten in der närrischen Zeit das TV-Lowboard nun losgeworden bin. Papa hat heute die Erlaubnis zur Montage bekommen.

Vor einer Woche hatte ich noch das Finish aufgetragen. Danach wurden die Schränke eingelagert. Heute, am Faschingssamstag konnten sie dann endlich an ihrem zukünftigen Platz montiert werden. Es hat auf Anhieb alles gepasst.

Hier die Bilder von der fertigen funktionalen Ecklösung. Froh bin ich, dass ich den ursprünglichen Entwurf geändert habe  und eine Seite deutlich schmaler gebaut habe. Ich denke, so wurde ein gelungenes Möbel daraus.

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Erhöhte Bankhaken

Ja das TV-Lowboard ist jetzt fertig. Am Samstag habe ich nun wie geplant das Finish aufgetragen und die Ecklösung bis zum Montagetermin bei mir eingelagert. Natürlich hört man als Hobbyschreiner gerne Lob. Die Frau des Hauses hat mich dann gestern im Keller besucht und das fertige Lowboard besichtigt. Sie hat ohne Einschränkungen (das hat es bisher noch nie gegeben) betont, wie schön doch der Schrank geworden ist. Ich war richtig stolz und musste aufpassen, dass ich mir an der Kellerdecke nicht den Kopf stoße.
Beim Verlassen der Werkstatt hat sie dann noch gesagt, dass im Vergleich zu dem neuen TV-Lowboard für unsere Tochter, unser altes Fernsehschränkchen im Wohnzimmer ein Schandfleck im ganzen Haus ist. Nun wurde ich Misstrauisch und habe diesen letzten Satz unkommentiert in der Werkstatt stehen lassen.

Um auf andere Gedanken zu kommen, suchte ich mir etwas Zerstreuung für den Sonntag. Ich hätte so viel schöne und spannende Dinge für die nächste Zeit auf dem Radar. Mal schauen wie lange ich es durchhalte meine Wunschliste abzuarbeiten. Mit dem Schandfleck im Wohnzimmer könnte ich mich schon noch eine gewisse Zeit arrangieren.
Aber was wollt ich eigentlich schreiben? Ja, auf meiner Wunschliste stehen in der nächsten Zeit so ein paar Dinge, die viel Handarbeit erfordern und Maschinen wenig zum Einsatz kommen. Auch ein kleiner „Umbau“ in der Werkstatt ist geplant und der Bau von Hilfsmittel. So auch ein paar erhöhte Bankhaken, die, wie ich finde, das Arbeiten mit vielen Handwerkszeugen komfortabel unterstützen. Das war dann meine gestrige Sonntagsarbeit. Kein großes Ding, sondern gerade richtig für den Nachmittag, der mit Werkstattaufräumen noch nicht ganz ausgefüllt war.

BankhakenIch wollte 14 cm Höhe gewinnen. Meine quadratischen Banklöcher sind 2,5 cm x 2,5 cm und so ist dann diese Konstruktion dabei herausgekommen.

Aus einem Reststück Eiche habe ich mir 2 Kanteln geschnitten. Hobeln der Oberfläche, Aufzeichnen der Kontur, Ausschneiden an der Bandsäge, Absetzen des Zapfens, Kanten brechen und die Bohrung für die Schraube waren die einzelnen Arbeitsschritte.

Der Rest wurde dann noch mit einer Feile gemacht. Eine Edelstahlschraube durch den Kopf der Bankhaken, hält später das Werkstück sicher. Die Bohrung darf nicht zu groß sein, damit die Schrauben stramm sitzen und beim Spannen der Werkstücke nicht herausgedrückt werden können. Das war es dann auch schon. Nun kann ich längere (besonders gut auch runde) Werkstücke, die z.B. mit dem Schweifhobel bearbeitet werden müssen, bequem einspannen und bearbeitet.

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TV-Lowboard kurz vor dem Ende

Am Montag wollte ich die „funktionale Ecklösung“ ja eigentlich fertig bekommen. Ungeplant investierte Blog-Lese-Zeit und nicht ausreichend angesetzter Schellack aber, lassen nun die Fertigstellung noch bis zum nächsten Wochenende warten. Fertigstellung hin oder her – wir befinden uns gerade in einer sehr kritischen Jahreszeit, wenn es um die Auslieferung und Montage von fertiggestellten Möbeln geht. Jedenfalls dann, wenn die „funktionale Ecklösung“ bei einer faschingsaktiven Tochter einziehen soll?! Schwieriges Problem – kaum lösbar! „Nüchtern“ betrachtet (wer kann das schon in der Faschingszeit), werde ich mich wohl damit abfinden müssen, dass die funktionelle Ecklösung noch eine Weile – zumindest bis zur Fastenzeit – unter meinem Dach wohnen wird.
Die Zwangsräumung aus meiner Werkstatt, sowie das Einlagern im alten Kinderzimmer, bekomm ich am Wochenende schon noch geregelt. Hat man mal die Rolle des „Familienschreiners“ eingenommen, macht man automatisch (wenn auch unfreiwillig) eine Ausbildung zum Logistikspezialisten mit. Training on the job, nennt man das auf neudeutsch. Aber was schreibe ich hier eigentlich… interessiert ja eh keinen. Werde mal recherchieren, ob es für solche Schicksale eine Selbsthilfegruppe gibt. Die anonymen Hobbyschreiner oder so.

Da aber auch dieses vermutlich niemanden interessiert, dann eventuell der bisher erreichte Baufortschritt der Ecklösung mit Funktion, sprich des TV Lowboard`s …

Hier ein paar Bilder, was am Wochenende so passiert ist.
Die Herstellung der Korpus-Teile muss man nicht weiter kommentieren. Nur so viel: Der Zweite, wurde im Prinzip gebaut wie der Erste – nur kleiner und mit einer Aussparung in der Rückwand (Platz für die Überlappung der Schränke und für die Kabel, die zum TV-Gerät geführt werden müssen).

Nach der Fertigstellung der Schränke, habe ich meine Aufmerksamkeit dem Bau der Türen und der Türgriffe gewidmet. In der letzten Ausgabe von Fine Woodworker Magazin, waren ein paar schöne Beispiele für die Herstellung von Griffen zu sehen. Inspiriert durch ein Bild, auf dem ein Griff bündig mit der Schubladenkannte in Zinkenform eingepasst wurde, bin ich auf die Idee gekommen, dass man das bei Schranktüren in ähnlicher Form machen könnte. Meine Lösung sieht nun so aus, dass eine schräg gestellte Nussbaum-Leiste in die Seite der Schranktüre eingepasst und durch Holzdübel gesichert wird. Das Schwierige an dieser Variante ist, den eigenen Schweinehund zu überwinden und ein Loch in deine fertige Türe zu sägen. Ich gebe zu, das kostet richtig Überwindung. Versaut man den Schnitt oder das Ausstemmen, kann man die Türe neu machen – eigentlich kann man dann 3 Türen neu machen, da sie durchgängige Maserung haben. Mit einer richtig guten und höllisch scharfen Feinsäge (Danke in den Norden der Republik!) war das aber kein wirkliches Problem. Die Türen lasse ich innen anschlagen. Bin schon sehr gespannt wie es aussieht, wenn alle Türen eingebaut sind. Mir gefällt der Griff, der jetzt quasi aus dem Schrank gewachsen ist, bisher richtig gut.

Das bekannte Sprichwort: „Die Katz frisst die Mäuse roh, ich mag sie nicht mal , wenn sie gekocht sind“ , trifft aber auch bestimmt in diesem Fall zu.
Der nächste Update zum Projekt „TV-Lowboard“ kommt dann, wenn die funktionale Ecklösung“ an seinem richtigen Platz steht bzw. hängt – somit frühestens zum Beginn der Fastenzeit!

…. wo hab ich jetzt die Telefonnummer dieser Selbsthilfegruppe hingelegt? … kommt denn hier alles weg? … es stehen ja auch überall fertige Möbel rum… man findet nichts mehr …. ich bin jetzt wirklich am Ende!

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Eine außergewöhnliche Handwerkermission… Blog-Empfehlung!

eigentlich wollte ich gestern mein aktuelles Projekt, das TV-Lowboard, abschließen. Für Neues sollte wieder Platz gemacht werden, in der Werkstatt und in meinem Kopf.
Einen Strich durch diese Rechnung machte mir ein Kommentar, den mir Rainer Speer unter einem Bild eingestellt hatte. So wurde ich auf einen außergewöhnlichen Menschen und dessen Handwerker-Mission aufmerksam.
Den halben Vormittag habe ich dann damit zugebracht jeden seiner Blog-Beiträge chronologisch ab Beginn in 2012 zu lesen. Er beschreibt in Tagebuchform seine Reisen nach Tansania und wie er dort für ein Dorf ein Schiff gebaut hat und heute noch versucht seine Handwerkskunst an die Einheimischen weiterzugeben. Ein tolles Vorhaben und eine beeindruckende Geschichte humorvoll (auch ironisch) zu Tastatur gebracht.

Ich kann die Lektüre nur jedem empfehlen! Ihr tut euch einen Gefallen, wenn ihr den Blog wirklich vom ersten Beitrag an zu lesen beginnt, da ihr sonst das Schiff nicht baut, sondern zerlegt … das ist nur halb so schön!

Also meine Lektüre-Empfehlung für den heutigen Abend… Der Blog von Rainer Speer.

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