Das Lied von der Kluppe

Es geht doch nichts über eine richtig gute Schulbildung! Beim Bau … nein eigentlich bei der Weiterentwicklung meiner Sägekluppe, habe ich mich an meine Zeit als Primaner erinnert. Da gibt es doch einen Klassiker, den wir als Schüler quasi inhaliert haben. Ein wunderbares Gedicht von Friedrich von Schiller: Das Lied von der Kluppe (1799)
Würde man mich nachts aus dem Tiefschlaf holen und sagen… eh, wie geht das Gedicht von dem ollen Friedrich, dann begänne ich fehlerfrei zu rezitieren…

Fest gezogen in der Zange
Klemmt die Form, aus Holz gebaut.
Heute muß die Kluppe werden.
Frisch Gesellen, seid zur Hand.
Von der Stirne heiß
Rinnen muß der Schweiß,
Soll das Werk den Meister loben,
Doch der Segen kommt von oben.

Zum Werke, das wir ernst bereiten,
Geziemt sich wohl ein ernstes Wort;
Wenn gute Reden sie begleiten,
Dann fließt die Arbeit munter fort.
So laßt uns jetzt mit Fleiß betrachten,
Was durch die schwache Kraft entspringt,
Den schlechten Mann muß man verachten,
Der nie bedacht, was er vollbringt.
Das ist’s ja, was den Menschen zieret,
Und dazu ward ihm der Verstand,
Daß er im innern Herzen spüret,
Was er erschafft mit seiner Hand.

Nehmet Holz vom Hainbuchenstamme,
Doch recht trocken laßt es sein,
………. usw.

Tja… der Friedrich von damals, wusste wie man Kluppen baut!

Aber jetzt verlassen wir mal das Themenfeld „Lyrik des 18. Jahrhunderts“ und kommen zu einem anderen Friedrich, der auch weiß, wie man Kluppen baut.
Dem Friedrich nämlich, der mir gesagt hat, dass ich eine schöne Kluppe gebaut hätte, er aber nicht verstehen könnte, warum ich so überdimensionierte Spannbacken zusammengezimmert habe. Die Backen wären viel zu breit und der Winkel viel zu flach abfallend. Da würde man doch mit dem Heft der Feile dagegen stoßen!

20150309 038Es war ein vollkommener Quatsch, was Friedrich da behauptet hat! Keines Wegs stößt man mit dem Heft der Feile an der Spannbacke an. Das hatte ich getestet.
Man stößt nämlich mit dem Veritas Sägefeilenhalter an der Backe an (das hatte ich nicht getestet!) und das schon recht früh – da bleibt dann nicht mehr viel Feile übrig, die noch schärfen könnte.
Nun soll es ja Leute geben, die frei Schnauze… also ohne jegliche Orientierungshilfe, eine Säge schärfen können. Aber zu dieser Gattung homo adulescentulus, was das Schärfen anbelangt, gehöre ich (noch) nicht. Somit, habe ich mir Friedrichs mahnende Worte zu Herzen genommen und zwei neue Sägekluppen gebaut. Eine für mich und die andere für einen mir bekannten homo adulescentulus.

An der „optimierten Kluppe“, habe ich mehrere Dinge geändert:

  • Die Spannbacken wurden schmäler und der Winkel steiler (45°) gemacht.
    Führungshilfen (moderne Holzwerker nennen sie auch gerne Jigs) sollen genügend Platz haben.
  • Der hintere Teil der Kluppe besteht nun aus Hainbuche 55mm stark und 105mm breit. Fest eingespannt in der Vorderzange, soll dieser massive Riegel möglichst viel von der Vibration, die beim Feilen entsteht, aufnehmen und dadurch den unangenehmen „Sound“ dämmen.
  • Diese Kluppe wurde generell höher und in der Höhe verstellbar gebaut. Wenn man die kleinen Zähne der Säge näher zu den Augen bringt, muss man die Augen nicht näher zu den Zähnen bringen. Der feine Unterschied: Die erste Variante vermeidet Kreuzschmerzen.
  • Der innere Teil der Spannbacke ist nun aus Nussbaum. Das dunkle Holz reflektiert das Licht weniger. Dadurch sieht man in der Tat die Zähne der eingespannten Säge besser.
  • Eine Aufnahme für eine Winkelführungshilfe (ich möchte sie beinahe Feilwinkeljig taufen) fand Berücksichtigung
  • Die Kluppe kann nun auch nur mit Schraubzwingen auf einer Werkbank ohne Vorderzange fixiert werden
  • Eine Ablage- bzw. Aufnahme für das übliche Schärfwerkzeug wurde umgesetzt
(Alle nachfolgenden Bilder sind einzeln kommentiert)

Aus einer Hainbuchenbohle (Weissbuche) 60mm stark wurden die Spannbacken und der hintere „Kluppenträger“ gemacht. Die Spannbacke habe ich noch mit einer Leiste aus Nussbaum verleimt. Sehr hilfreich dabei ist, wenn man die Spannbacken möglichst aus einem langen Stück fertigt und erst den notwendigen Winkel (bei mir 45°) schneidet und danach die Backen auf die gewünschte Länge bringt. Ich schiebe viel lieber ein langes Holzstück an einem geschwenkten Sägeblatt vorbei, als 4 kurze Riegel. Geschwenkte Sägeblätter haben den Teufel gesehen! Damit der verleimte Riegel beim Sägen nicht kippen kann, wurde ein darunter passender Holzanschlag an den Seitenanschlag gespannt. Hat sehr gut funktioniert!
Für den vorderen Teil der Kluppe verwende ich Eiche 35mm stark. Wo die Spannbacken aufgeleimt werden, wird ein Falz ausgesägt.

An den Spannbacken wird eine breite Nut ausgenommen. Die Schrägen links und rechts erst am Schluss, nach dem Hobeln schneiden, dann lassen sich die Backen leichter auf der Werkbank spannen. Nun können die Backen mit den senkrechten Riegeln verleimt werden. Zusätzlich habe ich von innen mit Holzdübel die Verbindung gesichert. Löcher nicht durchbohren, dann ist diese Holzverbindung später nicht sichtbar.

Den Höhenanschlag fixiere ich mit 12mm Schlossschrauben. Da ich die Kluppe auf 2 unterschiedlichen Werkbänken im Einsatz haben werde, bohre ich auch gleich die notwendigen Löcher dafür. Zwischen das vordere und das hintere Teil der Kluppe wird im unteren Bereich ein Abstandsholz montiert. Sind alle Teile richtig ausgerichtet, können die Löcher für die Spannschraube und die untere Sicherungsschraube gebohrt werden.

Da ich beim erneuten Kluppenbau eine 2. Schlappe unbedigt vermeiden wollte, war ich im Vorfeld auf virtueller Kluppentour im WWW. Bei Old Ladies habe ich einen Beitrag gefunden, in dem Pedder beschreibt, dass er sich seinen gewünschten Feilwinkel auf seine Gramercy Kluppe geklebt hat. Eine Idee aus der man ja noch was Solides machen kann, dachte ich mir. Einen Winkel, den man ja ab und zu ändern muss zu Kleben, ist eher eine Lösung für Sägebauer und weniger ein Lösungsansatz für den ambitionierten Holzwerker! 😉

Die hintere senkrechte Strebe der Kluppe wurde oben nicht wie die Spannbacke abgeschrägt. Somit entsteht eine schöne Auflagefläche, die 105 mm breit und 40 mm tief ist. Nach oben ist genügend Platz und eine 5 mm starke Feilschablone stört in keiner Weise. Die Leisten säge ich aus Hainbuche. Der Schlitz in der Mitte der Leiste und die Schraube in der Auflagefläche verhindern, dass die Leiste seitlich verrutscht. Eine Verriegelung auf der Rückseite verhindert, dass die Feilschablone nach hinten abhaut. Diese Vorrichtung zusammen mit dem „Feilschablonenspender“, seitlich an der Kluppe, haben die Patentreife erreicht.

Das war der Bericht über die Herstellung meiner optimierten Feilkluppe. Eine Kluppe ist inzwischen auf dem Weg zum „Kluppen-TÜV“. Der hat seinen Sitz in Kiel. Wenn das  Prüfungsergebnis positiv ausfällt, überlege ich mir, ob ich nicht am nächsten Kluppenbaucontest teilnehmen könnte.

Zu guter Letzt….. hab ich dann auch meine Feile das erste Mal in die Hand genommen, die Baumarktsäge eingespannt und einen ersten ernsthaften Schärfversuch gestartet. Das Ergebnis war, dass die Säge tadellos startet, ohne Druck ins Holz läuft und der Schnitt gerade ist. Nur die Sägekannte gefällt mir nicht, das liegt aber vermutlich daran, dass ich noch keine Ahnung habe, wie ich mit der Schränkzange zu Hantieren habe.

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5 Antworten zu Das Lied von der Kluppe

  1. Pedder schreibt:

    Moin Volker,

    das Doppelklebeband hat sich sehr schnell gelöst und ich habe das Brett später angeschraubt.

    Wozu brauchst du den Veritas-Halter und das Pedderbrett? Ein Oximoron im Lied von der Kluppe?

    Deine Säge hat noch bedeutend zuviel Schränkung. Mit dern Schraubstock platt drücken oder einfach die halbe Zahnhöhe runternehmen und feilen. Das übt dann auch.

    Liebe Grüße
    Pedder

    • Volker schreibt:

      Hallo Pedder,
      als das Brett fertig war, habe ich mich auch gefragt, wozu ich nun noch die Veritas Führung benötige. Aber ihn deshalb entsorgen? Nein!
      Evtl. benötige ich ihn mal für Rake.
      Das Brett wollte ich aber auch nicht vernichten. Ausweglose Situation!
      Das Oximoron im Lied ließ sich reimtechnisch nicht vermeiden aber ich dachte wer so einen Blog liest, dem fällt das bestimmt nicht auf. Anscheinend habe ich mich auch hier geirrt.
      😉
      Herzliche Grüße
      Volker

  2. uwe.adler schreibt:

    Hallo Volker,

    das ist nun mal eine Entwicklung. Die vielfältigen Erfahrungen sofort aus dem Piloten in eine neue Ausführung einfließen lassen. Du hast Dir auch die richtigen Mentoren gesucht, die beratend zur Seite stehen. Weiter viel Erfolg in der Entwicklung,

    herzliche Grüße

    Uwe

  3. Matthias schreibt:

    Hallo Volker,
    Ich habe gestern deinen Blog entdeckt und bin hellauf begeistert – tolle Sachen machst du da, und deine Art und Weise der Blogeinträge gefällt mir sehr gut!
    Friedrich Schillers Lied von der Kluppe veranlasst mich schließlich dazu, einen Kommentar zu verfassen, genial! Guter Humor – witzig, und das auch noch unter Zuhilfenahme literarischer Schätze!
    Weiter so – handwerklich, und falls man mal wieder viel Zeit zum Nachdenken (an der Kluppe?!?) übrig hat, gerne auch literarisch!
    Beste Grüße,
    Matthias

    • Volker schreibt:

      Hallo Matthias,
      wenn es mir ab und zu glingt, einen Kommentar wie deinen zu ergattern, dann hat sich für mich die Mühe mit dem Blog gelohnt.
      Herzliche Grüße
      Volker

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