Der Kobold

20170319 004

Bisher habe ich mit niemanden darüber geredet. Es gibt sie wirklich – Kobolde!!!
Ich habe sie nicht nur im Internet – in einer seriösen Quelle – gefunden, sondern nun auch in meiner Werkstatt. Hier der Bericht über die Begegnung mit der unheimlichen dritten Art…… 

Seit ein paar Jahren habe ich eine Bohle aus Esche (52mm) in meinem Holzlager stehen. Aus lauter Langeweile 🙂 🙂 🙂 kam mir der Gedanke… daraus baust du einen Schrank für deine Hobel. Eigentlich ein längst überfälliges Projekt.
Nun ist ja Esche, hat man nicht gerade eine Bohle mit Farbkern zur Hand, ein eher ruhiges, wenig auffallendes Holz. Tendiert ja schon beinahe in Richtung „weißen Schleiflack“…. was ich damit sagen will: Nach Besonderheiten oder neudeutsch sog. eyecatchern, muss man schon richtig suchen. Gerade das ist aber doch die Herausforderung im Möbelbau, wenn sich das Ergebnis später von der Masse etwas abheben soll. Wie arrangiert man das Holzbild mit der zugedachten Funktionalität zu einer spannenden Geschichte?

Folgendermaßen gehe ich inzwischen vor: Zunächst suche ich an der Bohle nach dem interessantesten Stück und überlege, an welcher Korpus-stelle ich dieses Stück gerne sehen möchte. Wo könnte es am besten wirken. Danach richtet sich später das Ablängen und Auftrennen des Holzes.

Viele stellen – glaube ich – das Maß über alle Dinge. Eine Bohle liegt auf den Böcken, sie nehmen die Länge und teilen von Beginn die Schnitte so ein, dass sie aus dem Material das Meiste herausbekommen. Wo die schönste Holzstelle, das schönste Maserbild dann später landet, ist sekundär und damit reine Glückssache.

Die Esche hier auf den Böcken, hatte genau eine Stelle, die sich etwas vom Rest abgehoben hat – ein Astloch. Wenn ich es im Schrank verwenden kann, dann entweder in der Türe oder in der Rückwand. Beides hätte die gleiche Länge, somit konnte ich die Entscheidung davon abhängig machen, was das Holzbild nach dem Auftrennen hergibt.

Diese Aktionen in der Werkstatt finde ich total spannend. Man weiß vorher nie, was die Natur einem schenkt und ob sich der Aufwand lohnen wird. Mit der Zeit (und Erfahrung) entwickelt man aber einen gewissen 7. Sinn dafür… „ob da was drin stecken könnte„.
Nach dem Auftrennen des Riegels mit dem Astloch, ist mir zunächst die Idee gekommen, die Löcher könnte ich doch gleich als Türgriffe verwenden.

Danach habe ich die anschließenden 2 Riegel aufgetrennt und sie der Maserung fortlaufend angeordnet. Nun hab ich ihn zum erstem Mal gesehen …. den, … nein meinen Werkstattkobold!

Rote Augen könnten dem Kobold doch stehen? Einen Versuch ist es wert. Das Grundgerüst der Koffertüren für meinen Hobelschrank ist fertig.

 

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11 Antworten zu Der Kobold

  1. uwe.adler schreibt:

    Hallo Volker,

    das mit den Kobolden ist immer so eine Sache. Manchmal ist man auch selber einer. Der Sache ist das nicht abträglich, doch bedarf es dann einer längeren Herstellungsphase um das Projekt zu Ende zu bringen. Aber was schreib ich´s, Meister Eder hat viel Erfahrung sammeln können und wir können partizipieren!

    Liebe Grüße

    Uwe (Schelm)

  2. Christoph Meyer schreibt:

    Hallo Volker,

    du zeigst hier immer wieder dein sehr gutes, geschultes Auge. Die Stücke aus denen du diese gut inzenierten Holzbilder zusammen setzen bekommen bei mir auf der Bohle auf beiden Seiten immer eine Markierung mit einem X und werden rausgeschnitten.

    Ich sollte in Zukunft anders vorgehen und dem Stück eine Chance geben wenn möglich.

    So uninteressant finde ich Esche nicht, die Maserung ist bei dem hellen Holz schon kräftig, wenn es nur nicht so gelbstichig nachdunkeln würde.

    Grüße
    Christoph

    • Volker schreibt:

      Hallo Christoph,
      schau dir deine x-Stücke erst mal an. Rausschneiden kannst du sie später immer noch, falls sie deinen Erwartungen nicht erfüllen.
      Und zur Esche: Ich verarbeite sie für ein Möbel zum ersten Mal. Eines steht aber schon fest – gute oder sehr gute Freunde werden wir nicht.
      Extrem schwierig zu hobeln. Trotz neuer Messer in der Hobelmaschine viele Ausrisse im Holz.
      Dafür entschädigt die recht unauffällige Maserung dann auch nicht wirklich.
      Gruß
      Volker

  3. Dominik Pogrzeba schreibt:

    Kobold oder Luder, hin oder her. Vollkommen egal! So lange beide so schön sind wie die beiden Türen :-)!! Glückwunsch Volker!
    Mit Esche hab ich auch schon meine Probleme beim Hobeln gehabt. Sowohl Maschine, als auch Hand. Wobei ich leider nicht der Hobelexperte bin…

    • Volker schreibt:

      Das sind halt die persönlichen Erfahrungen die man im Laufe der Zeit sammelt.
      Und Luder oder Kobolde (zweites eher seltener) gehören halt einfach dazu.

  4. Helmuth schreibt:

    Das ist wirklich ein interessantes Konstrukt haha, sieht aber dennoch brauchbar aus 🙂

    Liebe Grüße ein treuer Leser Helmuth 🙂

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