Schuhputzbank… oder die Bank mit dem Schlitz

Ab und an kommt es vor, da ereilt mich ein Auftrag und beinahe zeitgleich eine verrückte Umsetzungsidee. In diesen – gefühlt seltenen – Momenten, wird das sich in Arbeit befindende Projekt für kurze Zeit zweitrangig und die Umsetzung der schrägen Idee drängt sich ganz weit nach vorne.

Der „spannende“ Auftrag diesmal lautete…. „baue mir eine Schuhputzbank“!
Oh Gott, was für eine „Herausforderung“!!!
Die Vorgaben waren: Naturkante, Höhe ca. 45 cm, Tiefe ca. 35 cm, Breite ca. 60 bis 70 cm und  sonst noch die Worte…  „Deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt“.
Damit kann man als Hobbyschreiner leben – oder?

Das Entscheidende an diesem Auftrag war für mich die Naturkante. Da muss man nämlich ein geeignetes Holz und eine schöne Kante auch in seinem Holzlager finden!
2013 hatte ich ein paar Birkenbretter (32mm stark) von meinem Händler mitgenommen. Unter der Birkenrinde schlagen sich oft Maden den Wams voll und hinterlassen dabei recht hübsche Spuren. Die Chancen, bei Birke fündig zu werden, stehen nicht schlecht.

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Das Problem, welches nun filetiert auf der Hobelbank lag, war….
Auf der linken Seite hatte ich eine Tiefe von 33 cm und auf der Rechten Seite eine Tiefe von lediglich 29 cm. Als Sitzfläche für mein Dafürhalten etwas wenig. Ich möchte schon ganz gerne an die 35 cm als Tiefe annähernd hinkommen.
Und dann ist es mir wohl ebenso ergangen wie Dr. Emmett Brown (Doc. Brown).
Er hatte am 5. November 1955 den Fluxkompensator erfunden, als er beim Aufhängen einer Uhr in seinem Badezimmer von der Schüssel seiner Toilette abrutschte und unsanft mit dem Kopf aufschlug.
Ich hatte offensichtlich einen ähnlichen Unfall und weil der Fluxkompensator schon erfunden war, entwickelte ich die Idee der Bank mit genähtem Schlitz.
Eine andere Erklärung für diese kreative Eingebung habe ich nicht!
Nein, Rainer ich habe heute noch nichts getrunken 😉

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Ein Schlitz im Kleid ist entzückend. Ein Schlitz in einer Bank, kann so nicht bleiben. Deshalb hab ich mich fürs Nähen mit „Nussbaumschmetterlingen“ entschieden.

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Das Ergebnis dieser „Schmetterlingsaktion“ sah dann erst mal so aus.

Danach wurden die Kanten gesäubert, die Beine mit einem abgesetzten Zapfen versehen, eine entsprechende Nut in das Sitzbrett eingearbeitet und die Beine mit der Sitzfläche verleimt.

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Nun und dann stand noch im Auftrag: Die Schuhputzbank benötigt unter der Sitzfläche ein Ablagefach für das Schuhputzzeug. Sonst wäre es ja keine Schuhputzbank!
Von dem Birkenbrett war natürlich noch ein Stück übrig. Das reicht gerade noch für diese Ablage.

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Die Bank bekam noch ein 2 faches Finish mit einer Mischung aus Leinöl, Tungöl und Orangenöl.

Nun noch ein paar Bilder außerhalb der Werkstatt mit anderen Lichtverhältnissen.
Birke ist ein ganz tolles Holz, wie ich finde!!!
Die Bank mit dem Schlitz…

 

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8 Antworten zu Schuhputzbank… oder die Bank mit dem Schlitz

  1. uwe.adler schreibt:

    Lieber Volker,
    ein wildes, eigenwilliges Unikat, das seinen Betrachter erst einmal eine Weile gefangen nimmt, und ihn dann mit einem anerkennenden Nicken wieder loslässt. Dein Mut ist belohnt worden. Für eine Schuhputzbank viel zu schade, es sein denn, es steht als Solitärmöbel direkt im großen Eingangsbereich.
    Liebe Grüße
    Uwe

  2. rainerspeer schreibt:

    Ich finde Birke auch sehr schön für kleine Möbel. Sehr schön auch, wenn die Birke etwas gestockt ist.
    Irgendwann werden Sie kommen um Dich zu fragen, ob Du noch einen Deckel für das Schuhputzzeugs bauen kannst…

  3. Christoph Meyer schreibt:

    Hallo Volker,
    da hast du deiner Kreativität freien Lauf gelassen, das ist mal nichts von der Stange. Rainer hat es ja schon gesagt, die Frage nach dem Deckel wird kommen 😉

    • Volker schreibt:

      Hallo Christoph,
      das schöne ist, wenn man mal aufgehört hat „nachzubauen“, kann man sich bald an die Stange nicht mehr erinnern.
      Viele Grüße
      Volker

  4. Timo schreibt:

    Hi Volker,
    handwerktlich wieder erste Sahne! Die Idee finde ich sehr gut – ein Möbel mit dieser Funktion kann ich mir auch noch vorstellen.
    Viele Grüße
    Timo

    • Volker schreibt:

      Hallo Timo,
      Vielen Dank!
      Ja das sind für mich die Objekte, die am meisten Freude beim Bauen machen.
      Warum? Sie haben genau die richtige Größe, sind handlich und für eine Heimwerkerwerkstatt prädestiniert.
      Gruß
      Volker

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