Schiffshobel

Das Schiff

20170225-039

Das eilende Schiff, es kommt durch die Wogen
Wie Sturmwind geflogen.
Voll Jubel ertönt’s vom Mast und vom Kiele:
„Wir nahen dem Ziele.“
Der Fährmann am Steuer spricht traurig und leise:
„Wir segeln im Kreise.“

Marie von Ebner-Eschenbach

*****

Den Hocker zu bauen, hat richtig Spaß gemacht. Es kamen überwiegend Handwerkszeuge zum Einsatz. Beim Ausarbeiten der Sitzfläche dachte ich mir… „Es wäre schön, wenn ich diese leicht nach innen wölben könnte – mit Handwerkszeug!“

Nun, für das Runden von Sitzflächen gibt es viele verschiedene Werkzeuge.
Zum Beispiel Zieh-Schabhobel, Scorpeisen oder einfach auch nur ein geeignetes Berner Eisen. Mit einem Schiffshobel müsste das doch auch funktionieren? Aber vermutlich suchte ich nur einen Grund wieder einen Hobel zu bauen. Das ist inzwischen ein altes Leiden.

Wenn ich einen Krenov Hobel baue, bekommt der im Normalfall eine Hobelsohle die 2 bis 3 mm stark ist. Da die Sohle bei einem Schiffshobel stark gerundet werden muss, reichen hier aber  2 bis 3 mm nicht. Ich hatte in meinem Holzfundus ein sehr kurzes Brettchen Pockholz. Das habe ich aufgetrennt und mir blieb eine Stärke von 13 mm übrig. Für mein Vorhaben sollte das reichen…..

Die Rundung der Sohle hatte ich mir auf einem Stück MPX aufgezeichnet und dann ausgeschnitten. Damit wurde die Sohle so angezeichnet, dass der tiefste Punkt beim Hobelmesser lag.

Inzwischen habe ich schon viele (sehr viele) Hobel gebaut. Einen Schiffshobel jedoch noch nicht. Spannend ist immer der Augenblick, wenn der Hobel auf seine Funktion hin geprüft wird. Tut er das , was er tun soll?

Er tut es!!! Den langen feinen Span, wird man beim Schiffshobel wohl eher selten zu Gesicht bekommen. Aber mit vielen kleinen Spänen arbeitet man sich in die Tiefe und es entsteht eine Wölbung im Brett. Einer gewölbten Sitzfläche beim nächsten Stuhl, steht somit nichts mehr entgegen.

Hier noch ein paar Daten:

Hobellänge      230 mm
Messerbreite     40 mm (Hobelmesser von Gerd Fritsche)

 

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8 Antworten zu Schiffshobel

  1. rainerspeer schreibt:

    sehr schönes Teil! Mit Pockholz ist der Hobel natürlich etwas overdressed. Aber schön anzuschauen.

    • Volker schreibt:

      „Overdressed?“ – Ich fasse es nicht. Das sagt ausgerechnet einer mit einem Fensterbrett voller Whisky in der Werkstatt!
      Man gönnt sich ja sonst nichts – das gilt auch für Pockholzsohlen 😉
      Liebe Grüße
      Volker

      • rainerspeer schreibt:

        Whiskey ist Medizin! Ich will kein Pockholz essen (habs nicht mal getestet).
        Pockholzsohlen sind ja hauptsächlich gegen Verschleiss angebracht. Da musst Du aber viele Sitzflächen aushobeln!!
        Gruss zurück!

      • Volker schreibt:

        Das weiß ich, dass man Pockholz eigentlich nur bei großer Beanspruchung zum Einsatz bringt. Das Brettchen war aber gerade mal nur 255 mm lang. So kurze Hobel baue ich eigentlich nicht. So hab ich wenigstens noch eine sinnvolle Verwendung für das Holz. Wäre ja schade drum 😉

  2. Pedder schreibt:

    Schöner Hobel, und wann baust Du das Schiff drum herum? :o)

    Ich meine Pockholz hält nicht nur länger, sondern gleitet auch viel besser als Buche oder acuh Hainbuche.

    Liebe Grüße
    Pedder

    • Volker schreibt:

      Schiff baue ich nicht – Ein Schiff im Krenov Stil (reizvolle Aufgabe), damit werde ich in meinem Holzwerkerleben nicht mehr fertig 🙂
      Pockholz hat deutlich bessere Gleiteigenschaften als Hainbuche.
      Liebe Grüße
      Volker

  3. uwe.adler schreibt:

    Hallo Volker,

    besondere Werkzeuge müssen besondere Ausführung haben. Da sind nicht nur die Funktion wichtig, sondern auch die Erscheinung. Jeder Werkzeugbauer hat seine eigene Handschrift und die Arrivierten erkennt man auf den ersten Blick. Wenn ich mir die letzten Bilder so anschaue, dann würde ich sagen, ein Hennemann.

    Liebe Grüße

    Uwe

    • Volker schreibt:

      Hallo Uwe,
      dann steht ja meiner Werkzeugbauerkarriere nichts mehr im Wege. Auf ein Firmenlogo kann ich ja schon verzichten. 😉
      Herzliche Grüße
      Volker

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