Mann denkt ja nur

Es ist jetzt 3:39…. kann nicht schlafen. Da liegt man im Bett und denkt nur. Früher, wenn ich im Bett lag und nicht schlafen konnte, lag ich nur im Bett und hab nicht gedacht. Das war weniger anstrengend als heute im Bett zu liegen und zu denken.
Jetzt bin ich aufgestanden. Das Denken wurde mir zu anstrengend und außerdem habe ich Durst. Für einen Kaffee ist es eigentlich zu früh… und für ein Bier auch. Oder ist es für ein Bier eher schon zu spät. Ach egal…. hab mir jetzt einen Kaffe gemacht. Es ist jetzt 03:48… morgens!
Gestern hab ich ein neues mittelgroßes Möbel-Projekt angefangen. Was es genau wird und wie die Details bezüglich der Umsetzung aussehen, kann ich noch nicht sagen, da ich noch ziemlich orientierungslos unterwegs bin. Warum hab ich dann das Projekt begonnen?

„Du Papa… bist du gerade in deiner Werkstatt ausgelastet?“ – Ich mag diese Frage nicht! – „Ja Kind…. ich bin absolut ausgebucht und die Kapazitätsgrenzen meines Familienbetriebes sind erreicht.“ – ich vernehme ein kurzes Schweigen – „Aber ich hab dir hier mal eine Bild von einem TV-Lowboard mitgebracht. Ich bräuchte so was in der Art für meine Wohnzimmerecke. Da steht nämlich mein Fernseher immer noch auf einem Karton!“

Dieses Gespräch ereignete sich vor ca. einem 3/4 Jahr.

„Wann fängst du denn endlich mit dem Fernsehregel unserer Tochter an?“
„Meinst du das Regal, was aussieht, wie ein vom LKW überfahrenes Fragezeichen?“
„Ja!“

Diese Gespräch ereignete sich vor wenigen Tagen.

Ein TV-Lowboard für eine Wohnzimmerecke? Bis vor wenigen Wochen wusste ich nicht mal, dass es TV-Lowboards gibt… und jetzt soll ich eines bauen… als Ecklösung.
Ich habe schon mal ein wenig die Internetsuchmaschine mit dem Begriff beschäftigt. Der Begriff TV-Lowboard hört sich zwar sehr kreativ an … aber das war es dann auch schon mit der Kreativität der Möbeldesigner.
Die Kreativität bleibt meines Erachtens dann auf der Strecke, wenn die Funktionalität eines Möbelstücks in den Vordergrund gestellt wird. Je mehr Vorgaben mir das Umfeld macht (Ecklösung, Fernseher steht darauf, CD-Player muss rein, Steckdosen müssen berücksichtigt werden usw…) je mehr schränkt sie einen in der Umsetzung ein. Designregeln werden dann oft nicht mehr eingehalten und die Möbelstücke sehen wie auf Maß gefertigte Kisten aus. Den Charme, den eigentlich ein schönes Möbelstück ausstrahlen sollte, wird man bei diesen Lösungen meist vergeblich suchen.

Im Moment hoffe ich noch auf eine kreative Eingebung. Aber vielleicht kann ich ja deshalb nicht schlafen.
Mit den üblichen Vorarbeiten habe ich auf jeden Fall schon begonnen. Das Holz war schon seit Wochen zum Temperieren in meiner Werkstatt. Die Bretter wurden zugeschnitten, gehobelt, die Kanten gefügt und die Flächen verleimt. Auch bei diesem Projekt verwende ich wieder Erle. Ich mag das Material, auch wenn es manchmal nicht so einfach zu bearbeiten ist. Gegenwüchsige Bretter neigen beim Hobeln leicht zum Ausreißen. Von 8 Brettern die ich gestern durch den Hobel geschoben habe, waren 7 gut und eines war eine Katastrophe. Das Ergebnis war so mies, dass ich es aussortiert habe und der Brennholzkiste zuführen wollte.

Ich hatte das Brett zum Zersägen schon in der Hand, da überlegte ich, wann ich denn das letzte Mal meine Hobelmesser ausgewechselt habe. Ich denke das ist leicht schon 10 Monate her und ich nutze ja die Maschine schon häufig. Nun gut… Ersatzmesser habe ich immer da oder evtl. sind die Messer auch nur zu wenden. Das geht ja schnell.

Die zweite Messerseite war noch unbenutzt – also brauchte ich die Messer nur zu wenden. Und dann habe ich das Brett, welches schon für die Brennholzkiste bestimmt war, erneut durch den Hobel gelassen. Schaut euch das Ergebnis an.

Die Oberfläche spiegelte, als ob ich sie mir dem Putzhobel behandelt hätte.
Ist man mit dem Handhobel unterwegs, gehört das Schleifen der Hobelmesser schon fast als Ritual vor dem Gebrauch dazu. Bei den Maschinen vernachlässigt man das Thema scharfe Hobelmesser leicht. Wann habt ihr das letze Mal die Messer eurer Maschine gewechselt – mal ehrlich?
Ich werde zukünftig die Oberfläche von Erle nach dem Hobeln als Indikator nehmen. Erle ist da sensibel. Sie reißt faserig aus, da kann man Ahorn, Buche, Eiche oder Nußbaum noch leicht hobeln.

So… Blog Schreiben macht müde. Jetzt ist es 06:15 und ich leg mich hin. Und jetzt will WordPress auch noch einen Titel für diesen Beitrag. Was könnte ich denn nehmen?…..

Vielleicht…. Mann denkt ja nur… ja!

Wünsche euch noch einen schönen Tag!

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14 Antworten zu Mann denkt ja nur

  1. wolframherzog schreibt:

    Willkommen im Club der gelegentlich Schlaflosen Holzwerker…. Es ist jetzt 6:34

  2. Dominik schreibt:

    Guten morgen Volker,
    ich wollte dir schon heute morgen – um 7.00 Uhr schreiben, aber da „musste“ ich gerade noch zu Ende frühstücken, bevor ich in die Arbeit gefahren bin :-). Jetzt hab ich Zeit.
    A bisl spät, aber besser wie nie, wünsch ich dir noch ein gutes neues Jahr incl. Start. Der war ja wohl nicht so schlecht mit der Moxon Vise und den neuen Hobelmessern ;-)…
    Es ist doch jedes mal wieder ein Vergnügen ein schön gehobeltes Brett in Händen zu halten.
    Noch was zu deiner Moxon Vise: Die ist dir sehr gut gelungen! Vor allem die Eicheneinlage für Werkzeug und als Anschlag ist klasse!
    Hoffe du kommst heut durch den Schlafmangel nocheinmal zur Ruhe!
    Herzliche Grüße,
    Dominik

    • Volker schreibt:

      Hallo Dominik,
      ja vielen Dank – dir natürlich auch noch ein gutes neues Jahr.
      Ich werde mich jetzt in die Werkstatt verziehen – hab noch bis Mittwoch frei. In der Werkstatt denk ich nicht über Schlafmangel, sondern über Ecklösungen nach.
      Herzlichen Gruß
      Volker

  3. uwe.adler schreibt:

    Hallo Volker,

    irgend wann ereilt es jeden. Man nennt es dann senile Bettflucht. Ich spreche in dem Zusammenhang aber nur von mir! Vielleicht noch zur weiteren Erkärung der Schlaflosigkeit, wir haben Vollmond. Der hat mich heute Nacht gegen 2:30 Uhr geweckt. Meine Bücher haben mich dann wieder müde werden lassen., und so habe ich noch eine Mütze Schlaf genommen. Ja, die Kinder mit ihren Wünschen. Wie kann ich das nachvollziehen. Dir wünsche ich jedenfalls eine tolle Eingebung mit der geschwungenen Form für das eckige Möbel.

    Herzliche Grüße

    Uwe

    • Volker schreibt:

      Hallo Uwe,
      es hat mich heute den ganzen Nachmittag gekostet eine Schablone für eine 90° Verbindung zu bauen. Morgen wird die Fräse damit strapaziert. Dann wird sich rausstellen, ob ich mit dem Anflug meiner kleinen Eigebung weiter mache oder ob es zurück auf Start geht.
      Herzlichen Gruß
      Volker

  4. Franziska schreibt:

    Da ist es 16.38 Uhr und ich gehe nochmal online bevor ich in meinen wohlverdienten Feierabend gehe und siehe da…. ENDLICH ein Beitrag über „meine“ zukünftige tolle Ecklösung 😉
    Danke Papa!

    • Volker schreibt:

      Liebe Franzi,
      du kannst mich doch nicht vor der ganzen Welt so unter Druck setzen!
      Mein Blog lesen täglich Millionen von Menschen.
      Na ja… Du musst ja mit den Konsequenzen wohnen – ich baue ja die Ecklösung nur.
      😉
      Papa

  5. Frederik schreibt:

    Danke für diesen Beitrag Volker, ich musste die ganze Zeit schmunzeln. Das tut gut nach einem langen ersten Arbeitstag…
    Grüsse
    Frederik

  6. Stefan A schreibt:

    Das mit dem denken kenne ich. Vor allem Abends vor dem einschlafen. Viele verrückte Ideen, Lösungen für Konstruktionsprobleme, was ich denn nicht alles mal bauen wollte/will türmen sich im Kopf. Dann noch die Panik, morgen früh den ein oder anderen tollen Gedanken vergessen zu haben….

    Seit einigen Jahren liegt ein Block inkl. Stift griffbereit neben mir auf dem Nachttisch. 🙂

    • Volker schreibt:

      Hallo Stefan,
      ich bin nachts auch schon aufgestanden und hab was gezeichnet. Die besten Ideen kommen oft zu dieser ungünstigen Tageszeit.
      Grüße Volker

  7. Dominik schreibt:

    Da ist man ein paar Tage nicht online und schon verpasst man viele schöne Kommentare :-)… Den Block habe ich auch neben mir auf meinem Nachtkastl liegen…
    Und aus neuropsychologischer Sichtweise gesehen ist man(n)/frau morgens nach der tiefen? Ruhephase am kreativsten. Abgesehen von Vollmond, natürlich :-).

    Frage: Bist du mit der Ecklösung schon weiter, Volker?

    Herzliche Grüße,
    Dominik

    • Volker schreibt:

      Hallo Dominik,
      ja die Ecklösung ist heikel. Die erste Lösung hat mir nicht gefallen deshalb habe ich umgeplant.
      Jetzt habe ich aber wenigstens eine Idee. Mal sehen was daraus wird.
      Wenn ich mal wieder in Schreibstimmung bin, folgt ein Blogbeitrag.
      Herziehen Gruß

      Volker

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