Von meiner „Reise“ zum Ahornschrank

Keine Angst, es folgt kein weiterer Bericht über die Urlaubsreise. Urlaub ist vorbei und ich trinke meinen Espresso wieder in der Werkstatt und nicht in einer wunderbaren, herrlich riechenden, mit klasse Weinen ausgestatteten und hervorragend aufkochenden Osterie irgendwo im Grenzgebiet zwischen Umbrien und der Toskana.
Aber eines ist geblieben – wie im Urlaub plane ich nur von Tag zu Tag beziehungsweise manchmal nur von Stunde zu Stunde, wie es weitergehen soll mit dem Ahornschrank. Eine meiner „Holzreisen“.

Zuletzt hatte ich vom Bau des „Türzuhalters“ berichtet. Ja er ist wirklich gut geworden. Wo würdet Ihr den so einen „Türzuhalter“ einbauen? Im Deckel oder im Boden? Klar, was für eine blöde Frage im Deckel natürlich!
Aber was macht man, wenn man ihn eingebaut hat und dann plötzlich feststellt, dass der Deckel doch der Boden war??? Richtig – sich ärgern! Hört sich blöd an, ist aber so.
Ich hab das mal zu Testzwecken ausprobiert und kann es nun bestätigen.

Was tun? Ein relativ großes Loch, gut sichtbar, ist an der falschen Stelle. Wäre der Boden nicht per Hand gezinkt gewesen, ich hätte ihn neu gemacht. Erst mal eine Nacht darüber schlafen und viel nachdenken. Mein Schwiegervater tätigt bei diesen Gelegenheiten gerne den Ausspruch: „Nur die Ruhe bewahren – erst mal die Brandstelle beleuchten!“

Lange hab ich darüber sinniert, wie ich den offensichtlichen Fehler unsichtbar machen könnte. Das geht aber nicht, wenn man den Neubau vermeiden will.
Somit muss ich ihn irgendwie akzeptieren, das heißt für mich akzeptabel machen. Vertuschen mit Holzkitt, Wachs oder Leim/Holzstaubmischung wäre (für mich) nicht akzeptabel. Neu – scheidet aus, Vertuschen – scheidet aus, bleibt also noch „Betonen“?! Warum nicht ein Butterfly Key, wie in den Türen? Ein Versuch ist das auf jeden Fall wert.

Mit dem Ergebnis war ich sehr zufrieden. Mancher (vermutlich eher wenige) werden mich später fragen: „Warum ist an der Stelle ein Inlay eingesetzt?“
Ich werde achselzuckend antworten: „Künstlerische Freiheit – warum nicht?!“ und das Fachgespräch ist beendet.

Nun, der Ärger ist verzogen und hat mich um eine persönliche Erfahrung reicher gemacht. Der Schrankkorpus konnte nun verleimt und die Türe eingebaut werden.

Die Oberfläche habe ich mit einer Mischung (50:50) Tungöl / Leinöl zunächst behandelt. Toll, wie das die Maserung angefeuert hat.

Als nächstes, werde ich den Schrank „einrichten“ also ihm ein Innenleben verpassen. Aber dazu ein andermal mehr.

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11 Antworten zu Von meiner „Reise“ zum Ahornschrank

  1. uwe.adler schreibt:

    Lieber Volker,

    in solchen Fällen sage ich mir immer: Pfuschen will gelernt sein!, damit es nicht auffällt. Der Butterfly ist Dir gelungen und bei weitem nicht gepfuscht. Was hälst Du von einem eingelegten VH aus Ahorn, dann fragt auch niemand mehr weiter.
    Der Schrank gefällt mir sehr, wie ich Dir bereits schon geschrieben habe. Was nun folgt …. viel Freude damit!

    Liebe Grüße

    Uwe

    • Volker schreibt:

      Lieber Uwe,
      vielen Dank. Heute hab ich mit der Innenausstattung begonnen und den ersten Versuch (aus Nussbaum) wieder über Bord geworfen. Nun fertige ich Halterungen auch aus Ahorn. Ich glaube das wirkt besser. Die Arbeit macht richtig Freude – auch wenn man sie 2 x macht.
      Ab morgen hab ich dann die Handwerker im Haus – ich hoffe, ich kann mich zwischendurch auch mal eine Stunde in die Werkstatt verdrücken.

      Herzliche Grüße
      Volker

  2. Christoph Meyer schreibt:

    Hallo Volker,

    dieser Schrank zeigt sehr schön den privaten Holzwerker! Das macht doch den Reiz der Arbeit aus, zu kaufen gibt es so etwas nicht. Die einzelnen Teile geben ein super Gesamtbild. Und auf die Idee da unten noch einen Butterfly zu setzen muss man erst mal kommen! Das muss ich mir jetzt merken.

    Sag‘ hast du die Rückwand eingeleimt und gedübelt? Auf den Bildern ist das zumindest so zu erkennen?

    Wenn ich den Schrank weiter so anschaue könnte das eine Anregung für einen Medizinschränkchen sein der noch auf der Wunschliste steht. Denn im Moment habe ich noch nichts was mir für eine besondere Gestaltung einfällt. Da baue ich doch erst mal weiter ein paar Regale und Schildchen.

    Viel Spaß beim Einrichten!

    Grüße
    Christoph

    • Volker schreibt:

      Hallo Christoph,
      die Rückwand ist eingeleimt und gedübelt, damit sie stabil genug ist den Schrank auch mit Inhalt zu halten. Ich werde an den Ecken noch Aufhänger aus Metall (hoffe ich bekomme Messing) anbringen.
      Der Schrank würde einen super Medizinschrank abgeben, jedoch würde ich ihn dann nur etwa halb so tief bauen. Ich brauche aber für den vorgesehenen Inhalt die Tiefe.
      Herzliche Grüße
      Volker

    • Volker schreibt:

      Noch ein Tipp Christoph,
      Wenn du einen Hängeschrank baust und bist dir bezüglich der Größe noch unschlüssig – nimm einen Karton, schneide ihn auf das geplante Maß zu und halte ihn an die Stelle, wo er später hin soll. Also bau aus Pappe ein Modell. Du wirst ein wesentlich besseres Gefühl anschließend haben, wenn du dein Modell in Holz realisierst. Nichts ist so schlimm, wie überdimensionierte Kisten an der Wand.
      Gruß
      Volker

      • Christoph Meyer schreibt:

        Danke für den Tipp. Die Erfahrung habe ich schon gemacht. Es sollte ein Handtuchhalter fürs Badezimmer werden. Design war schnell gefunden, Edelstahlstangen auch, und los. Nun ja, als das Ding fertig war beschlich meine Frau und mich schnell das Gefühl, das passt nicht, viel zu wuchtig!
        Aber wie heißt es so schön, aus Erfahrung wird man schlau .

        Für ein Medizinschränkchen braucht man in der Tat nur wenige cm Tiefe. Ich schwanke da aber eher noch zwischen Glas und Holzböden.

        Grüße
        Christoph

      • Volker schreibt:

        Bist du Glaser oder Holzwerker 😉 Na also, die Frage der Einlegeböden ist auch schon geklärt!
        Auch Holzböden kann mann sehr schön dünn bzw. filigran bauen.
        Gruß
        Volker

        P.S. sollten dir die Holzböden später doch nicht gefallen, kannst du immer noch den Glaser bemühen.

  3. Daniel schreibt:

    Hallo Volker,
    den Ahornschrank finde ich absolut klasse!
    Besonders die Türe hat’s mir wirklich angetan. Da bekommt man richtig Lust mal wieder was schönes aus Massivholz zu bauen 🙂
    Ach… und die Fehlerbeseitigung ist einfach nur genial! Den Schrank durch ‚ausbessern‘ aufzuwerten ist schon ganz große Kunst!

    Viele Grüße
    Daniel

  4. Dominik Pogrzeba schreibt:

    Hallo Volker,
    also den Schrank würde ich glatt nehmen! Also, wenn du ihn nicht benötigst, meine Adresse kann ich dir gerne schicken ;-).
    Sehr schön geworden! Ich finde es beruhigend, dass so scheinbar „dumme“ Fehler auch anderen Holzwerkern passieren und nicht „nur“ mir…
    Schöne Grüße,
    Dominik

    • Volker schreibt:

      Hallo Dominik,
      der Schrank ist doch noch gar nicht fertig. Da kommt ja innen noch was rein.
      Und ich bin mir ziemlich sicher, wenn das drin ist, was rein soll, dann kannst ihn Du vermutlich nicht mehr gebrauchen.
      Mist, hätte ich das bloß früher gewusst, dann hätte ich ihn dir schon geschickt.
      Ich hoffe, dass er am Wochenende fertig wird.
      Herzliche Grüße
      Volker

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