Werkstattathletik

Einige Werkstattjahren habe ich inzwischen auf dem Buckel. Das bestätigt mir nicht nur jeden Morgen der kritische Blick in den Spiegel, sondern auch der Blick auf die Projekte, die ich in meiner Werkstatt umgesetzt habe. Viel Holz wurde da schon hineingetragen und die gleiche Menge auch wieder heraus. Nur in anderer Form halt. Auch waren schon ein paar Monster dabei. Monster nenne ich dann Projekte, wenn ich ein Ungleichgewicht zwischen Projektgröße zu vorhandenem Werkstattplatz verspüre. Manche sagen, ich wäre, was dieses Gefühl betrifft, ein Sensibelchen…. aber was kratzt es den Baum, wenn… (und wieder ein paar Freunde weniger!).
Wenn eine Werkstattdurchquerung zum Hürdenlauf wird, steigert das nicht unbedingt meine gute Laune. Im Zuge der persönlichen Weiterentwicklung, legt man sich im Laufe der Zeit Strategien zurecht. Inzwischen, wenn Projektwünsche an mich herangetragen werden, ist der erste Gedanke nicht mehr: „Bekomme ich den Wunsch handwerklich auf die Reihe?“ Nein – ich sehe vor meinem geistigen Auge das Werkstück in meiner Werkstatt Raum einnehmen. Je weniger Platz es in Anspruch nimmt, umso mehr „Ich hab Dich lieb – Kärtchen“ bekommt es und die Chancen einer schnelleren Umsetzung steigen. Ein Nachtkästchen bekommt mehr Punkte, als eine Küchenzeile. Ein Stuhl wird eher in Angriff genommen, als ein Esstisch, an dem womöglich die 12 Apostel gemeinsam ihr Abendmahl zu sich nehmen könnten.
Das nenne ich eine wirklich großartige Strategie! Die hilft fröhlich gelaunt durchs Werkstattjahr zu kommen. Aber was schreibe ich für törichte Wunschvorstellungen!? Mein Werkstattjahr ist leider kein Ponyhof.

Einige Betten haben schon meine Kammer des Werkzeugs verlassen und was soll ich euch sagen, sie bekommen immer weniger „Ich hab dich lieb – Kärtchen“. Bei einer Größe von 2 Meter x 2 Meter sehe ich das nicht mehr ein. Hilft aber nichts…. ab zum Hürdenlauf.

Ein sicheres Zeichen für ein Monsterprojekt ist, wenn der Auslegertisch für den Zuschnitt an der Tischkreissäge benötigt wird. Er garantiert mir den Rechten Winkel beim Ablängen.

Die Rahmenteile des Bettspiegels wollte ich mit einer Schlitz und Zapfenverbindung zusammenfügen. Mein Nutfräser ließ das Schlitzen jedoch nur bis zu einer Materialstärke von 35 mm zu. Der Rahmen hat jedoch 50 mm. Bei einem Werkzeughersteller habe ich ein Nutsägeblatt mit einem Durchmesser von 180 mm (D 6mm) gefunden. Das Blatt auf der Fräse montiert und die Herstellung dieser schönen Holzverbindung wurde zum Kinderspiel.

Ich denke ein oder 2 Wochenenden mach ich noch Hürdenlauf. Dann ist das 2 x 2 Meter Projekt wieder raus aus der Werkstatt.

Dieser Beitrag wurde unter Holzprojekte abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

10 Antworten zu Werkstattathletik

  1. rainerspeer schreibt:

    Wird schon! Hält jung!

  2. Horst Blasko schreibt:

    Hallo Volker, das kenn ich auch. Aber, wie der rainerspeer schon geschrieben hat, das hält einen jung. Solange man noch (meist) darunter durchkriechen kann, geht das schon. Aus diesem Grund ist bei mir in der Werkstatt etliches auf Rädern und kann bei Bedarf in eine – meist nicht verfügbare – freie Ecke wandern. Hatte auch kürzlich einen Bettenbau für meine Tochter, aber hat schon geklappt. Ich kanns mir nicht so oft aussuchen, ob und wann ich was mache. Steht halt an und muß weg.
    Danke aber für die Einblicke…. So aufgeräumt geht es manchmal bei mir nicht zu.
    LG Horst

  3. Manuela schreibt:

    Ich glaub dir das net wirklich – du liebst doch Herausforderungen!!
    Und falls – du hast jetzt das richtige Alter für Wiegen und Babybettchen… da geht einem das Herz auf, sie sind eine Zier für die Kammer des Werkzeugs und bekommen bestimmt mind. 50 „Liebeskärtchen“.

    • Volker schreibt:

      Manuela ich spreche (schreibe) von einem Bett 2 x 2 Meter. Das ist kein Babybettchen bei dem mir das Herz aufgeht. 🙂

      • Manuela schreibt:

        Ich hab das schon verstanden. Aber ich glaub, dass dir jetzt mal ein Babybettchen Freude machen könnte, es nimmt immerhin viel weniger Platz ein 😉

      • Manuela schreibt:

        Schon klar. War ein Alternativvorschlag, Babybettchen und Wiegen nehmen viel weniger Platz ein 😉

      • Volker schreibt:

        Das stimmt – sie nehmen weniger Platz ein (in meiner Werkstatt) aber zuviel Platz in der Wohnung der Eltern.
        Ein schönes Projekt wäre aber eine Wiege ohne Zweifel 😊

  4. Manuela schreibt:

    Uups, der Kommentar ist zweimal gelandet. Beim ersten kam, er könne nicht gesendet werden 🙈

Schreibe eine Antwort zu Manuela Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.