Kurzer Hobel 47° (im Krenov Stil) mit Handgriff

Ein regulärer Golfball hat 336 Vertiefungen
Ich finde diese Tatsache erstaunlich und denke schon sehr lange über diesen ungewöhnlichen und äußerst komplexen Sachverhalt nach.  Er bereitet mir beinahe schlaflose Nächte. Hat er nämlich keine 336 Vertiefungen ist es womöglich kein Golfball. Man stelle sich vor: Dir gelingt ein Hole in One und anschließend zählt einer die Vertiefungen der weißen Kugel nach. „Was nur 334 Vertiefungen?“
Der Schlag zählt nicht 😦
Ein regulärer Krenov Hobel hat keinen Handgriff. Irgendwie war ich unkonzentriert und habe nun einen Krenov Hobel mit Handgriff gebaut. Darf ich den nun für den Möbelbau verwenden? Also ich meine zum glatt machen der Holzoberfläche und so.
Auf diese schei.. Idee hat mich Tom Fidgen mit seinen Buch „The Unplugged Woodshop“ gebracht. Tom hat in dem Buch unter anderem den Bau von 2 Hobeln beschrieben. Einen Putzhobel 50° und eine kurze Raubank 45° im Razee Stil. Beide Hobel gefallen mir optisch sehr gut! Aber ob man damit auch Hobeln kann oder darf?

Starten will ich mit dem kleinen Putzhobel, der einen runden Holzgriff hat. Ich halte ihn für einen echten Hingucker. Wie er hobelt, kann ich erst sagen wenn er fertig ist.
Daten: Länge der Hobelsohle 22 cm, Eisenbreite 40 mm

Vor ein paar Tagen habe ich eine 80 mm Schwarznussbohle besorgt. Sie war notwendig, da ich den Hobelkasten aus einem Stück fertigen will. Eisenbreite 40 mm + Flanken links und rechts je 10 mm – das mach zusammen einen Block von 60 mm (bereits gehobelt).

Das Hobeleisen möchte ich in einen Winkel von 47° stellen. Putzhobel mit 45° und 50° habe ich schon zu genüge. Die Schraube, die den Spanbrechen am Eisen hält, ist 16 mm breit. Ich fräse eine 17 mm breite Nut mittig in das Bett für das Hobeleisen.

Vor dem Verleimen des Hobelkastens muss auf einer Seite das Loch für das Keilwiderlager gebohrt werden. Als Widerlager verwende ich für diesen Hobel eine 6 mm Messing Stange. Die genaue Position des Eisens mit Spanbrecher wird eingezeichnet. Das Loch für das Widerlager setze ich 11 mm vor den Spanbrecher und 32 mm von der Unterkante der Hobelsohle entfernt.
Danach wird der komplette Hobelkasten mit Klebeband provisorisch fixiert und die 4 mm Löcher für die Holzdübel werden gebohrt. Die Bohrungen so an die Enden setzen, dass beim endgültigen Zuschnitt des Hobels, die Dübel mit abgeschnitten werden. Jetzt kann auch schon der Hobelkasten verleimt werden. Da ich diesmal die Messingstange für das Widerlager verwende, muss sie noch nicht vor dem Verleimen eingesetzt werden.

Für die Hobelsohle verwende ich 3 mm Pockholz. Der Hobelkasten sollte genau im rechten Winkel sein. Auch hier werden wieder 4 Löcher für die 4 mm Dübel in die Enden gebohrt. Damit hat man immer einen perfekten Sitz der Hobelsohle beim Verleimen. Durch den Hobelkasten wird innen das Hobelmaul auf der Sohle angezeichnet. Das Hobeleisen liegt in einem 47° Winkel im Hobelbett. Somit muss auch die Hobelsohle mit einem 47° Winkel durchgestochen werden. Mit einem 3 mm Bohrer setze ich eine Lochreihe mittig in das Hobelmaul. Eine Winkelschablone ist mit einem Stück Sandpapier am Boden schnell belegt (das sichert gegen Verrutschen). Langsam wird mit dem schmalen Stechbeitel von der Mitte weggearbeitet. Die letzten Stiche macht man dann durch den Hobelkasten. Mit Aceton reinige ich die Hobelsohle bevor ich sie mit Holzleim mit dem Hobelkörper fest verklebe.

Nachdem man mit der Feile das Hobelmaul gesäubert hat, bekommt der Hobelkasten seine Form. Die Seiten werden gehobelt, die richtige Länge festgelegt und mit der Schweifsäge die hintere Form ausgeschnitten. Mit dem Forstner habe ich dann die Nut für den Griffboden vorgebohrt und danach mit den schmalsten Stechbeitel die Schräge gestochen. Auch hier verwende ich wieder die „Winkelschablonen“. Die Dinger sind einfach praktisch. Inzwischen habe ich schon mehrere in meinem Fundus und es ist schön sie bei der Hand zu haben, wenn man sie benötigt.

20150406 042Na und dann gab es noch eine Überraschung. War ich doch der Meinung, ich fange mal mit dem Schwierigsten an – das war für mich der Griff, da ich noch nie einen vorher gemacht hatte. Nun stellte ich fest, dass die Form des Griffes nicht zur Lage des Hobeleisens passt.

Die Linie zu dem kleinen Höcker sollte parallel mit dem Hobeleisen verlaufen. Tut es aber nicht. Mir blieb nichts anderes Übrig, als mich von diesem Designelement zu verabschieden. 20150412 016Der Griff wurde deshalb von mir so umgearbeitet, dass die Rundung von oben kommend nun durchgehend ist. Somit kann man mit dem Hammer von oben das Eisen einstellen. Schade – ging aber nicht mehr anders.

Die Restarbeiten: Von einer Messingstange (6 mm) habe ich die notwendige Länge für ein Keilwiderlager abgesägt. Ebenso ein Stück aus einer 19 mm Messingstange für den Schlagknopf. Durch das schon vorgebohrte Loch für das Keilwiderlager wurde das 2. Loch gebohrt. Auch ein 19 mm Loch für den Schlagknopf wurde 25 tief in den vorderen Bereich des Hobelkörpers gebohrt. Den Schlagknopf habe ich mit 2 Komponentenkleber eingeklebt. Der Hobelkörper wurde leicht rund geschliffen und der Keil für das Hobelmesser angefertigt. Auf 150er Schleifpapier auf geradem Untergrund wurde die Sohle abgerichtet, bis das Hobelmesser durch die Sohle konnte. Die Öffnung des Hobelmaules habe ich so gering wie notwendig gehalten.

Und nun die spannende Frage: Hobelt das Ding, wie es soll?

Ja das tut es!!! Ein dünner Span, von einem Brett aus Erle abgenommen, der eine wahre Freude ist. Der Hobel ist wunderbar zu führen mit dem Griff und er sieht toll aus.
Die Arbeit hat sich gelohnt! Freude!!!

Und weil er so schön ist, noch ein paar Bilder…

Die Herstellung des Griffs ist hier beschrieben.

 

 

 

 

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11 Antworten zu Kurzer Hobel 47° (im Krenov Stil) mit Handgriff

  1. Dominik schreibt:

    Guten morgen Volker,
    ich fasse mich kurz: herzlichen Glückwunsch zu diesem wunderschönen Hobelkunstwerk!! Der Hobel ist so schön, dass er einen sprachlos macht ;-).
    Schöne Grüße und einen schönen genussvollen sonnigen Tag (egal ob in der Arbeit, auf der Terrasse oder in der Werkstatt),
    Dominik

  2. Michael schreibt:

    Hallo Volker,

    wow – ich bin einfach nur sprachlos. Der Hobel ist wirklich super geworden. Meinen Respekt!

    Gruß
    Michael

  3. Simon schreibt:

    Wunderschönes Holz, grossartiges Design, klasse Verarbeitung. Und alles noch richtig gut abgelichtet und erklärt. Hut ab und Danke!

  4. Falk schreibt:

    Toller Hobel. Respekt!
    mal eine ganz andere Frage; Du hast den Hobelkasten mit so einem runden maß angezeichnet. Wo bekommt man so etwas und wie nennt man das?
    Viele Grüße
    Falk

    • Volker schreibt:

      Hallo Falk,
      das ist ein Streichmaß (dieses von Veritas). Du bekommst es in den unterschiedlichsten Ausführungen in gut sortierten Fachgeschäften für Handwerkszeug.
      Z.B. Bei „Dictum“ oder bei „Feine Werkzeuge Dieter Schmid“.
      Gruß
      Volker

      • Falk schreibt:

        Hallo Volker,
        vielen Dank für die schnelle Antwort. Ein Streichmaßn an sich kannte ich bisher nur in einer rechteckigen Form mit Nadel. Das mit dem Rad war mir neu, finde ich aber wesentlich besser.
        Das muss ich mir gleich mal bestellen und vielen Dank noch einmal!
        Gruß
        Falk

  5. Stefan schreibt:

    Hallo Volker,
    der Hobel sieht wirklich gelungen aus.

  6. Daniel schreibt:

    Hallo Volker,
    ich kann mich nur anschließen, ich habe deinen Hobel grade entdeckt und bin schon etwas neidisch geworden… der sieht wirklich Super aus… TROTZ (oder grade wegen dem) Griff 😉

    Gruß Daniel

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