Die Tür nach Norden

Der Titel wirkt ein wenig abgeschrieben. Ist er aber nicht. Rainer hat von einer Tür nach Süden berichtet und die hat mit meiner Türe nach Norden rein gar nichts zu tun. Wir haben vor wenigen Tagen auch den kürzesten Tag hinter uns gebracht – der, wie alle anderen auch, 24 Stunden hat. Es wird somit wieder von Tag zu Tag heller. Den Spruch…. „mit dem Licht am Ende des Tunnels“, werde ich mir heute verkneifen. Wurde er uns doch in den vergangenen Wochen so häufig präsentiert…. ich glaube ein guter Grund, ihn nie wieder strapazieren zu wollen. Letztlich gilt aktuell für die Anzahl an Sonnenstunden pro Tag, wie auch für die Einschränkungen durch Corona, dass wir uns noch in Geduld üben müssen. Geduld, Beharrlichkeit, Ausdauer sind Begriffe, die haben mir meine Eltern unter der Rubrik „Tugenden“ in das Wörterbuch des Lebens geschrieben. Aktuell kann es Leben retten, wenn man sich dieser Werte erinnert.

Aber wie bekomm ich jetzt die Kurve zu meiner Türe nach Norden? Ähhhmmm? Geduld, Beharrlichkeit, Ausdauer…. sind auch wieder bei diesem Projekt die besten Weggefährten. Mit schnell schnell und schlampig, wird man nicht weit kommen. Ehrlicher Weise muss ich zugeben, dass ich vermutlich nicht auf die kühne Idee gekommen wäre, eine schwere Eingangstüre in die Garage selbst zu bauen. Das Angebot über diese Türe lag bereits von der Firma, die auch das Garagentor fertigt, auf dem Tisch. Aber Rainers Bericht hat Appetit gemacht es zu versuchen. Kurzum, ich hab lediglich das Garagentor bestellt und beschlossen, die Nebeneingangstüre selbst zu fertigen. Damit ich meine Meinung nicht mehr ändere, wurden gleich die Beschläge bestellt, ein paar Bohlen Edelkastanie besorgt und alles in der Werkstatt geparkt. Sichtbaren Ansporn also. „Akribisch“ wie immer, habe ich das Projekt vorgezeichnet – das reicht mir, um mich in ein neues Abenteuer zu stürzen.

„Ups… warum nimmt der Kastanienholz für den Bau?“ wird sich mancher fragen. Nein, ich hatte es nicht zufällig im Schuppen liegen. Kastanie ähnelt dem Eichenholz sehr. Nicht nur im Aussehen, sondern auch in seinen Eigenschaften. Im trockenen Zustand hat es ein extrem günstiges Schwindverhalten, neigt somit weniger zum Verziehen als andere Holzarten. Es ist sehr hart, lässt sich mit scharfen Werkzeugen gut bearbeiten und gehört zu den „Wasserhölzern“. Deshalb trifft man generell im Landschaftsbau Kastanie häufig an. In Italien ist Kastanienholz ein beliebtes Bauholz. In vielen Regionen dort, wurden und werden Dachstühle, Fenster und Türen aus Kastanienholz gefertigt. Und sitzt der vermeintlich holzkundige Tourist bei einem guten Glas Rotwein in einer schönen Osteria, lässt er sich gerne zu dem Urteil hinreißen…. „das sind doch schöne Tische und Möbel aus Eiche“… bemerkt dabei jedoch nicht, dass er vielfach falsch liegt. Er nimmt seine Gnocchi alla bava an einem Tisch aus Kastanie zu sich. Nun, der Barbera d’Alba tröstet in den allermeisten Fällen über die Fehleinschätzung hinweg. 

Wenn es auch in den südlichen Ländern nicht selten ist, dass Kastanie für Fenster und Türen zum Einsatz kommt, darf man nicht die Probleme außer Acht lassen, die das Holz in sich trägt. Wie Eiche enthält auch Kastanie extrem viel Tannin. Das sollte man bei der Verarbeitung berücksichtigen! Ein Punkt ist, dass Wasser diesen Gerbstoff ausspülten kann. Das führt zu dunklen Flecken auf dem Holz und auf dem Boden wohin das Wasser abläuft. Ich hoffe diese Verfärbungen durch den Einsatz von einem Tanninblocker verhindern zu können.

Aber nun ein paar Worte über den Bau des Türstocks und der Türe selbst. Viel muss ich nicht schreiben, da Rainer schon ausführlich vor gedacht und vor berichtet hat. Ob die Türe nach Norden, Süden, Westen oder Osten zeigt, ändert am grundsätzlichen Problem relativ wenig. Möglichst verwindungssteif sollte man sie bauen und dennoch bei den Türblättern berücksichtigen, dass das Holz arbeiten kann. Türstock und die Türe selbst habe ich deshalb in Schichten aufgebaut. Ja auch der Stock besteht aus zwei verleimten und gedübelten Riegeln. Die Türe besteht aus 3 Schichten. Einem 38 mm dicken Rahmen in der Mitte (auch die 38 mm sind aus 2 Brettern verleimt), einem 19 mm starken Türblatt innen und einem 19 mm starken Türblatt außen.

In den Falz des Türstocks und der Türe, habe ich noch eine 4 mm starke Nut eingefräst. Sie dient als Aufnahme für eine Gummidichtung, die ich mir noch besorgt habe. Ist gar nicht so einfach da eine Firma zu finden die kleine Mengen (ca. 10 Meter) verkauft. Die Türe wird kein Zugang zum Haus, sondern es wird eine Nebentüre in die Garage. Aus dem Grund kann ich relativ einfaches Kastenschloss verbauen.

Ja, die Montage von einem Kastenschloss, Schließblech und solchen Türangeln beziehungsweise Bändern, war Neuland. Hatte ich bisher nicht gemacht. Wenn man sich der Problematik aber stellt, die Montageanleitungen studiert und sorgfältig arbeitet, ist es kein Hexenwerk. Nun… was schreibe ich da? und für wen? …. wer baut sich schon eine Haustür selbst ?!

Bei der Montage des vorderen Türblattes, habe ich mich an der Variante von Rainer orientiert. Die Deckbretter per Schwalbenschwanz-Nut und einer entsprechend vorbereiteten Leiste nur zu klemmen, finde ich genial. Chapeau Rainer! 
Die Nut in die Bretter hab ich nicht gefräst, sondern auf der TKS mit geschwenktem Sägeblatt (12° Winkel) geschnitten. Das grobe Material wurde mit dem Sägeblatt entfernt – die Feinarbeit erfolgte mit dem Grundhobel und einer Raspel. Die Deckbretter, die per Nut und Feder ineinander greifen, sind so dicht und können doch entsprechende den äußeren Bedingungen arbeiten. Nur das unterste Brett mit der breiteren Abtropfkannte wurde von innen mit 2 Edelstahlschrauben montiert. Am oberen Ende der Türe unter dem Türstock, wurde entsprechend Raum gelassen.

Zuletzt wurden noch die Löcher für den Türbeschlag und den Schließzylinder in die Deckschicht gebohrt. Die Montage der Griffe erfolgt erst, wenn das Finish trocken ist. Wie schon zu Beginn erwähnt, ich trage einen Tanninblocker auf und hoffe, er kann die Gerbsäure der Edelkastanie bändigen.

Da liegt sie nun auf den Böcken. Ist so schwer, dass ich sie alleine nicht mehr bewegen kann. Wir suchen nun eine Ecke, wo sie noch ein paar Tage trocknen kann. M0ntiert wird die Türe nach Norden erst wenn es wieder wärmer draußen ist. Bei den aktuellen Minusgraden hab ich dazu einfach keine Lust. Deshalb bleibe ich hier das Abschlussbild noch eine Weile schuldig.

 

 

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7 Antworten zu Die Tür nach Norden

  1. Thomas schreibt:

    Hallo Volker,
    ein tolles Projekt! Ich habe den Bau schon auf Instagram eifrig verfolgt. Ich wünsche dir und allen anderen „Verfolgern“, dass es schnell wieder warm wird und wir das Schlussbild sehen können.
    Besten Gruß aus Bochum Richtung Süden!
    Thomas

    • Volker schreibt:

      Hallo Thomas, vielen Dank!
      Ja, warm das wärst jetzt! Obwohl… In Zeiten von Klimawandel müssen wir uns ja im Augenblick freuen, dass es kalt ist 😣

  2. rainerspeer schreibt:

    Ich habe noch nie mit Kastanie gearbeitet. Lässt es sich so gut bearbeiten wie Eiche oder Esche?
    Gruß Rainer!

    • Volker schreibt:

      Ja von der Bearbeitung kein Unterschied zur Eiche. Ich finde Kastanie riecht besser als Eiche.
      Optisch von Eiche kaum zu unterscheiden. Da muss man richtig aufpassen, dass man im Holzlager die Bohlen nicht durcheinander bringt. Schau dann noch auf den Preisunterschied und du wirst das Holz mal testen.

      • rainerspeer schreibt:

        Ich darf kein Holz mehr kaufen. Habe kurz vor Jahresschluss von dem Typen in Bad Saarow noch mal Mahagoni gekauft. Der Volvo hing durch. Aber schön!

      • Volker schreibt:

        Mein Sohn will eine Regalwand – hat sich für Kastanie entschieden. Da werde ich dann mal testen, wie Möbelbau damit geht. Aber ich bin jetzt schon überzeugt dass es keine Probleme gibt.

    • Volker schreibt:

      Nur biegen kannst du Kastanie nicht. Eiche und Esche lässt sich hervorragend biegen dagegen.
      Kastanie bricht.

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